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Netflix-Tipp: Snowpiercer

Blutige Klassenfahrt

22. Mai 2020

Mit dem Schmelzen des letzten Polareises versuchen Wissenschaftler verzweifelt, die Erde zu kühlen. Doch im Übereifer lösten sie eine Eiszeit aus. Nur der findige Unternehmer Mr. Wilford sah die Katastrophe voraus und baute einen gigantischen Zug, der als Arche der Menschheit künftig rastlos um die rund -120 Grad kalte Erde rast. Die hoch begehrten Tickets kosteten horrende Summen, weshalb es zum Aufstand kam: Beim Losfahren stürmten «Normalsterbliche» den «Snowpiercer» und eroberten sich die hintersten der 1001 Waggons. Fortan ist der überlebende Rest der Menscheit in vier Klassen eingeteilt in einem Zug unterwegs.

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Kommt euch das bekannt vor? Richtig, «Snowpiercer» ist ein Remake des gleichnamigen Kinofilms von 2013 mit Chris Evans in der Hauptrolle. Warum ihr euch trotzdem eine ganze Serie darüber ansehen sollt, obwohl der Film des Koreaners Bong Joon Ho sehr gelungen war? Nun, die Frage ist berechtigt, aber es gibt einen triftigen Grund dafür, der als einzige Kritik am Original angeführt wurde: Die Idee des Klassenkampfs im Zug ist reizvoll und bietet Raum für viel zu viele Geschichten, um sie nur in Spielfilmlänge abzuhandeln. Eingesperrte Menschen tendieren dazu, über kurz oder lang durchzudrehen – erst recht solche, die sich ungerecht behandelt fühlen. Und genau das macht die Serie so spannend.

Hier der Trailer zur Vorlage, der ebenfalls auf Netflix zu finden ist:

Fast sieben Jahre nach Abfahrt des Snowpiercer in Chicago werden die illegalen «Tailies» (tail=Schwanz) aus dem hintersten Teil immer noch wie Tiere gehalten. Alle Aufstände wurden blutig niedergeschlagen. Der Klassiker als Bestrafung für Revoluzzer: Ein Arm wird aus dem Zug gehalten und somit in Sekundenschnelle abgefroren. Doch die Tailies haben sich dennoch nicht mit ihrem Schicksal abgefunden. Charismatischer Anführer des Aufstands ist der Ex-Cop Andre Layton (Daveed Diggs). Als einziger Mordermittler an Bord wird er von der allmächtigen Zugchefin Melanie Cavill (Jennifer Connelly, 49) gebeten, einen Mord im vorderen Teil des Zugs aufzuklären. Layton wittert seine Chance: Da ihm für seine Ermittlungen alle Türen zwischen den einzelnen Klassen offen stehen, will er Informationen für die endgültige Revolution sammeln. Doch so einfach ist das nicht, denn jeder verfolgt seine eigenen Interessen.

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Melanie Cavill ist die Stimme des mysteriösen «Mr. Wilford».

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Sie engagiert den Ex-Cop Andre Layton (rechts).

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Und macht sich dadurch in der 1. Klasse unbeliebt.

Zugegeben: Es ist nicht die ideale Jahreszeit, um sich eingekuschelt eine Serie in Schnee und Eis anzusehen. Dennoch soll man die Serien feiern wie sie fallen, und es ist nicht selbstverständlich, dass der postapokalyptische Zug überhaupt über unsere Bildschirme rast. Denn die Science-Fiction-Serie hätte bereits vor einem Jahr laufen sollen, doch dann fand der produzierende Sender TNT keinen Abnehmer für die Ausstrahlungsrechte in Europa. Nun ist Netflix in die Bresche gesprungen und lässt den Snowpiercer am 25. Mai von der Leine. Allerdings ist bei den Fans Geduld gefordert: Wie bei «Better Call Saul» kommt wöchentlich eine neue Folge hinzu. Doch das Warten lohnt sich, denn die Serie überzeugt, sowohl in Besetzung (dem unverbrauchten Gesicht von Daveed Diggs verzeiht man sogar seine strahlend weissen Zähne nach fast sieben Jahren im Zug-Slum), als auch in Machart und Drehbuch. Deshalb stellt sich die Frage, warum Netflix fast keine Werbung für diese langersehnte Produktion machte. Ich hatte der Sache nicht ganz getraut: Noch in der Serienvorschau für den Mai war ich nicht sicher, ob der angekündigte «Snowpiercer» auch wirklich auf Netflix gezeigt würde.

Nun gut: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Umso besser, dass TNT bereits die zweite Staffel plant.

Auf Netflix

Snowpiercer

Land: USA 2020
Altersfreigabe: 16+
Staffeln: 1 (10 Folgen); ab 25. Mai 2020
Besetzung: Jennifer Connelly, Daveed Diggs, Mickey Sumner
Schöpfer: Graeme Manson