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Streaming Wars

18. März 2020

 

Das Timing könnte fast nicht besser sein. Ob Disney in eine der wahrsagenden Kristallkugeln aus den zahlreichen Märchenfilmen geschaut hat, um den Start seines neuen Streamingdienstes Disney+ zu terminieren? Dann hätte das mächtige «Mouse House» gewusst, dass das öffentliche Leben Mitteleuropa am 24. März in einem Dornröschenschlaf ruht. Ob nun Zufall oder nicht: Die Schweizer erhalten ab sofort einen zusätzlichen Streamingdienst zur Auswahl. Neben Netflix, Sky, Amazon Prime Video und Apple TV+ können sie nun auch Disney+ abonnieren.

 

Netflix & Co.

Der Preisvergleich

Disney+: 7 Tage gratis, dann Fr. 9.90/Monat oder Fr. 99.–/Jahr.
Netflix: 30 Tage gratis, dann 11.90/Monat.
Sky: 7 Tage gratis, dann 14.90/Monat.
Amazon Prime Video: 30 Tage gratis, dann Euro 5.99/Monat.
Apple TV+: 7 Tage gratis, dann 6 Franken/Monat.

Der attraktive Preis wird den ohnehin schon umkämpften Streamingmarkt weiter verschärfen. Und damit meine ich nicht das Frühbucherangebot, sondern den regulären Preis von 9.90 Franken pro Monat, womit Disney die etablierte Konkurrenz klar aussticht (vgl. Infobox). Doch der Preis ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Wenn der Inhalt nicht stimmt, dann ist auch der günstigste Preis zu hoch. Doch Disney hat gewichtige Argumente, um die Zuschauer anzulocken.

Grundsätzlich besteht Disney+ aus fünf eigenen inhaltlichen Universen, die Disney als «wundervolle Welten» bezeichnet: Disney, Pixar, Marvel, Star Wars und National Geographic. Übersetzt heisst das, der Zuschauer hat Zugriff auf die ganzen Zeichentrickklassiker von Schneewittchen bis Eiskönigin, alle Serien, Animationsfilme, Marvel-Superheldenfilme, Star-Wars-Filme und -Serien sowie hochwertige Naturdokus. Das bildet die Basis. Laufend hinzukommen werden sogenannte «Disney+ Originals» aus allen fünf Welten, vorwiegend Serien. Der grösste Kracher in jenem Segment ist zurzeit die Star-Wars-Serie «The Mandalorian». Über 1000 Filme und Serien umfasst das Angebot aktuell, Tendenz steigend. Zu beachten gilt es, dass Disney+ wegen drohender Serverüberlastung während der Coronavirus-Krise die Streaming-Qualität reduziert hat.

Das ist doch schon mal eine ordentliche Ansage in Richtung Netflix & Co. Die Ausrichtung von Disney+ ist klar und quasi schon genetisch bestimmt: Familien sind im Visier. Mit allen Animationsfilmen und den Science-Fiction-Stoffen werden da sicher einige abgeholt – aber nicht alle. Denn die anderen Anbieter – zumindest Netflix und Sky – sind inhaltlich breiter aufgestellt. Die ganze Crime- und Dramaschiene, welche eine grosse Masse von Streamingzuschauern anspricht, wird bei Disney aussen vor gelassen. Noch, muss ich wohl sagen. Denn Disney hat seit der Übernahme von 21th Century Fox noch einen starken Trumpf in der Hinterhand. Jene Filme und Serien könnten einst die Lücke füllen, die Disney+ zur Zeit noch von Netflix & Co. trennt. Denkbar, dass Disney erst einmal den Erfolg von Disney+ abwartet, bevor der Medien-Gigant auch noch die Fox-Welt in die Streamingplattform integriert. Zudem werden die «Disney+- Originals» ja laufend um neue Inhalte erweitert.

Ich muss gestehen: Ich habe keine Ahnung, wie Disney+ einschlagen wird. Das Paket ist attraktiv, der Preis fair. Doch der Streaming-Markt ist noch zu jung, um prophezeien zu können, wie viele Player er verträgt, wie sich die Preise entwickeln. Jeder muss über die Bücher: Was will ich schauen, wie viel bin ich bereit, für das moderne Fernsehen auszugeben? Und dann stellt sich schon bald auch noch jene Frage, welche sich viele der jüngeren Generation schon gar nicht mehr stellen und welche die öffentlich-rechtlichen Anstalten gar nicht gerne hören, ja als ketzerisch anschauen: Brauche ich überhaupt noch ein herkömmliches TV-Abo oder stelle ich mir ein Paket aus verschiedenen Streamingangeboten zusammen? So könnte das Fernsehen der Zukunft aussehen.

Das detaillierte Angebot von Disney+ mit allen Titeln zum Download.