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Sweet Streams

21. August 2020

 

Ende März wurde es ungemütlich auf dem deutschsprachigen Streaming-Markt: Disney+ verschärfte mit einem günstigen Abo den Kampf um die Zuschauer zusätzlich. Fünf Monate später wissen wir: Marktleader Netflix braucht sich vor der neuen Konkurrenz nicht zu fürchten. Zwar hat Disney mit Marvel, Star Wars und National Geographic ein attraktives Familien-Paket geschnürt, doch für den Grossteil der Serienfans ist das zu wenig, um umzusteigen. Allenfalls stellt sich nun für den einen oder die andere die Frage, welche Anbieter sich kombinieren lassen: Sky für die Grossen, Disney+ für die Kleinen oder doch lieber Netflix und Amazon Prime Video? Es ist auch eine Frage des Budgets.

 

Stattdessen wird sich manch junger Haushalt zunehmend die Frage stellen: Brauche ich die klassischen TV-Sender überhaupt noch? Denn wenn man auf SRF und Co. verzichtet, kann man die Empfangsgebühren entweder einsparen oder gleich wieder investieren in einen zweiten Streaming-Anbieter. Folglich dürfte es in der Zukunft zunehmend wichtig werden, kombinierte Angebote verschiedener Genres in der Hinterhand zu haben, um ganze Haushalte abzuholen: Pakete aus Serien, Filmen, Sport, Dokumentationen, Nachrichten und Kindersendungen. Derjenige, der die flexibelsten Kombinationsmöglichkeiten in petto hat, wird gewinnen.

 

Aber so weit sind wir noch lange nicht. Vorerst scheint der europäische Streaming-Markt nun gesättigt – oder doch nicht? In den USA gibt es noch einige bedeutende Player im Serien-Markt, die in Europa noch nicht frei empfangbar sind. Die meisten von ihnen werden wohl so verfahren wie TNT oder HBO: Sie verkaufen ihre Serien an etablierte Anbieter wie Netflix oder Amazon. Damit haben sie nicht das Risiko und die Kosten einer eigenen Plattform, verdienen aber dennoch gutes Geld. Doch das spannendste unter den amerikanischen Portalen ist hulu, das in der Schweiz bislang nur mit einer VPN-Verbindung empfangen werden kann. Der Streaminganbieter aus dem Hause NBC Universal steht mittlerweile ebenfalls unter dem Diktat des allmächtigen «Mouse House»: Disney besitzt seit der Übernahme von Fox 2019 mit 68 Prozent die Mehrheit an hulu.

Geplant ist die komplette Übernahme bis 2024, doch schon im nächsten Jahr könnte hulu auf den europäischen Bildschirmen erscheinen. Disney hofft, bis 2021 Disney+ etabliert zu haben und möchte dann mit hulu die zweite Stufe zünden. Damit ist auch erklärt, warum auf Disney+ nicht der Fundus von Fox ausgespielt wird: Disney+ ist für Kinder, Jugendliche und Familien gedacht, während hulu die Erwachsenen versorgt. Eine clevere Strategie.