Frauenpower in Zürich | Coopzeitung
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TV-Tipp: Tatort – Züri brännt

Frauenpower in Zürich

16. Oktober 2020

 

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Die Neue

Tessa Ott

Locker, direkt, aufgeschlossen, aus der einflussreichen Zürcher Oberschicht: So ist die Profilerin Tessa Ott (Carol Schuler).

Zugegeben: Sie waren stets etwas umstritten, die Tatort-Krimis aus Luzern. Ist das Tatort-Stammpublikum mit fixen TV-Verpflichtungen am Sonntagabend ohnehin schon sehr anspruchsvoll, ist es der Schweizer Tatort-Konsument bei den heimischen Folgen immer noch etwas mehr. Man will ja schliesslich nicht abfallen gegenüber der gewichtigen Konkurrenz aus Deutschland. Hinzu kommt die Mundart, in der die Schweizer «ihren» Tatort bevorzugt schauen. Der Dialekt, eigentlich überhaupt kein Qualitätsfaktor, befeuert den leichten helvetischen Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem grossen Kanton noch zusätzlich. Aller Kritik – ob berechtigt oder nicht – brachten es Reto Flückiger (Stefan Gubser, 63) und Liz Ritschard (Delia Mayer, 53) auf stolze 16 Fälle, bevor sie in den wohlverdienten Ruhestand entlassen wurden.

Der Star

Isabelle Grandjean

Ehrgeizig, pragmatisch, mit einem Hang zur Arroganz, aus einer Arbeiterfamilie im Jura: So ist die Star-Ermittlerin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher).

Nun ist die Bühne frei für einen neuen Schweizer Tatort. Die Nachfolge ist hungrig – und weiblich: Spot an für Tessa Ott (Carol Schuler, 33) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, 41)! Die beiden Ladys gehen ab diesem Sonntag in Zürich auf Verbrecherjagd. Doch ein verschworenes Team sieht anders aus, denn es treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite ist da die ehrgeizige und etwas spröde Star-Ermittlerin Grandjean, die ihren Weg von einer Arbeiterfamilie in La-Chaux-de-Fonds über den Internationalen Strafgerichtshof bis in die Kripo Zürich gemacht hat und nun mit dem Posten des bald in die Pension gehenden Chefs Peter Herzog (Roland Koch, 61) liebäugelt. Und nun wird der toughen Romande plötzlich eine lockere, junge Profilerin als Partnerin aufs Auge gedrückt. Damit tut sich Grandjean sichtlich schwer, zumal sie den Verdacht hegt, Ott habe die Stelle nur durch Vitamin B erhalten.

 

Der Chef

Peter Herzog

Kumpelhaft, aber immer auf den eigenen Vorteil bedacht: So ist der Zürcher Kripo-Chef Peter Herzog (Roland Koch).

Das Fundament für eine konstruktive Zusammenarbeit ist also ziemlich bröcklig. Doch das ungleiche Paar hat keine Zeit, sich aneinander zu gewöhnen, denn gleich an Otts erstem Arbeitstag wird in der Nähe der Roten Fabrik eine Brandleiche mit einer Kugel im Kopf gefunden. Der Fall erweist sich als ziemlich verzwickt und weitreichend: Alles scheint mit den Jugendunruhen vor 40 Jahren zusammenzuhängen. Als Otts bester Freund, ein ehemaliger Junkie, in den Kreis der Verdächtigen rückt, wird der erste Fall der jungen Ermittlerin zu einer persönlichen Angelegenheit, was ihrer pragmatischen Kollegin natürlich so gar nicht in den Kram passt…

Die Staatsanwältin

Anita Wegenast

Eiskalt berechnend, gegen aussen aber immer strahlend: So ist die Staatsanwältin Anita Wegenast (Rachel Braunschweig).

Regisseurin Viviane Andereggen (35) hat sich für ihren ersten Tatort gleich eine komplexe Kiste vorgenommen. Mit zwei Zeitebenen zu arbeiten und dabei die Spannung aufrecht zu erhalten, ist nicht ganz einfach – zumal die Ereignisse von 1980 im Rahmen der real geschehenen Jugendunruhen basieren. Damit führt die junge Zürcherin auf TV-Ebene weiter, was im Schweizer Kino seit ein paar Jahren im Trend ist: Die Aufarbeitung der jüngeren Schweizer Geschichte – siehe «Die göttliche Ordnung», «Bruno Manser», «Platzspitzbaby» oder «Moskau Einfach!». Doch im Vordergrund bei einem Tatort steht immer der Fall, und der ist gut konstruiert und fesselt bis zum Schluss. Der erste Auftritt des Zürcher Kommissarinnen-Duos macht Lust auf mehr. Gut, dass der zweite bereits weit gediehen ist und Nummer drei und vier in der Pipeline stecken.

Im TV

Tatort – Züri brännt

Ausstrahlung: Sonntag, 18. Oktober, 20.05 Uhr, SRF 1
Land: Schweiz 2019
Länge: 89 Minuten
Besetzung: Carol Schuler, Anna Pieri Zuercher, Rachel Braunschweig
Regie: Viviane Andereggen