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Grosse Erwartungen – grosse Enttäuschungen

What the fuck, Hollywood?!

Das Kino ist zurück – und mit ihm grosse Erwartungen an heiss ersehnte Blockbuster. Aber Vorsicht: Wie oft seid ihr von Hollywood schon enttäuscht worden?

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04. Juni 2020

Freunde des bewegten Bilds, es ist wieder Zeit, über Kino zu reden. Streaming hat uns über diese lange Zeit zuhause geholfen, doch nun wollen wir wieder mal Filme auf der grossen Leinwand geniessen! Doch diese kann ebenso grosse Erwartungen schüren, die in der Vergangenheit leider nicht immer erfüllt wurden. Besonders anfällig sind Filme, denen ein grosses Werk voraus ging, sei es ein Buch, ein Game, ein gelungener erster Teil oder eine Kultfigur. Es ist uns allen schon passiert und wird leider wieder passieren, dass wir uns fragen: What the fuck, Hollywood?! Eine Sammlung von missglückten Um- und Fortsetzungen in fünf Kategorien – als Mahnmal gedacht und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Fortsetzungen

Die Königskategorie des Scheiterns ist natürlich jene der Sequels. Leider geht es oft nur darum, abzukassieren. Wirklich starke Filme auf demselben Niveau fortzusetzen erfordert Mut, denselben Cast und eine wirklich gute Geschichte. Gelungene Beispiele gibt es zuhauf: «Zurück in die Zukunft» etwa, «Mission: Impossible», die ersten drei Indiana-Jones-Filme oder auch – mit Abstrichen – «Star Wars». Aber eben, da wären wir schon bei den Kompromissen: Indiana Jones 4 konnte das Niveau der Vorgänger bei weitem nicht halten, und bei Star Wars waren die Episoden I bis III eine Baisse – ebenso wie bei der Terminator-Reihe eigentlich alle ab dem dritten Teil. Ausrutscher verzeiht das Publikum nur seinen ganz grossen Lieblingen, wie etwa James Bond.

  • 1983: Der Weisse Hai 3. Der Killer-Hai in damals revolutionärem 3D! Auch Revolutionen gehen manchmal daneben.
  • 1987: Der Weisse Hai 4. Ohne Roy Scheider funktionierts einfach nicht mehr, da kann auch Michael Caine nichts dran ändern.
  • 1989: Ghostbusters 2. Nicht komplett missraten, aber gemessen am Original fehlt der Schwung und der Überraschungseffekt.
  • 1992: Alien 3. Nach Ridley Scotts Klaustrophobie-Horror und James Camerons Action-Orgie knallt David Fincher auf den Boden des Durchschnitts.
  • 1997: Alien – Die Wiedergeburt. Ripley erhält ein neues Leben, die Serie leider nicht. Dafür zum Ende hin eine unnötige Alien-Missgeburt.
  • 1997: Speed 2. Nach dem durchschlagenden Erfolg mit dem verminten Bus wird Sandra Bullock von Keanu Reeves im Stich gelassen. Well done, Keanu!
  • 2001: Star Wars: Episode I. Unmöglich, 18 Jahre lang gewachsene Erwartungen zu erfüllen. Ist aber auch ganz objektiv gesehen langweilig.
  • 2003: The Matrix Revolutions. «Matrix» war ein Meisterwerk. Nach Teil zwei war es eine sehr gute Serie, nach Teil 3 gerade noch ok.
  • 2003: Terminator: Rise of the Machines. Arnold Schwarzenegger gibt sein Comeback, kann den Untergang der Serie aber nicht verhindern.
  • 2004: Ocean’s Twelve. Man lerne: Auch die Originalbesetzung kanns bei einem schwachen Drehbuch vergeigen.
  • 2004: Once Upon a Time in Mexico. Hat 7 Mal so viel gekostet wie das kultige Prequel «Desperado», ist aber nicht halb so gut.
  • 2006: X-Men: The Last Stand. Als Comic-Verfilmung ganz ok. Als Sequel von Bryan Singers zwei Filmen eine herbe Enttäuschung.
  • 2006: Superman Returns. Der nächste gescheiterte Versuch, den Mann aus Stahl kinofähig zu machen. Dafür braucht es dann doch Zack Snyder.
  • 2007: Pirates of the Carribbean 3. Mit Jack Sparrow wars Liebe auf den ersten Blick. Deshalb verzeihen wir ihm auch diesen völlig überladenen Abschluss der Trilogie.
  • 2007: Spider-Man 3. Damit wir vom selben reden: Es geht um Tobey Maguires Spiderman, der die Maske nach dem zweiten Film lieber an den Nagel gehängt hätte.
  • 2008: Indiana Jones und das Geheimnis des Kristallschädels. Harrison Fords Peitschenübergabe an Shia LaBoeuf missglückt. Der Schlapphut war einfach zu gross.
  • 2008: James Bond: Quantum of Solace. Setzt den neuen 007-Schwung in den bolivianische Wüstensand. Sorry, Marc Forster: Klar der schlechteste Bond mit Craig.
  • 2009: Terminator: Salvation. Auch ohne Arnie will das echte «Terminator»-Feeling nicht mehr aufkommen. So wird das Label zur Hypothek.
  • 2010: Iron Man 2. Jammern auf hohem Niveau: Wenn es an der Trilogie einen Schwachpunkt gibt, dann Mickey Rourke mit der Elektropeitsche. 
  • 2011: Pirates of the Caribbean 4. Nein, auch Penelope Cruz haucht der Serie kein neues Leben ein. Besser macht das dann ihr Mann Javier Bardem 6 Jahre später.
  • 2011: The Hangover 2. Gibt es etwas Schwierigeres, als eine Kultkomödie weiterzuführen? Wer daran zweifelt, frage bei Todd Philipps nach.
  • 2012: Prometheus. Tja, die Alien-Reihe… Meister Ridley Scott himself rollt die Vorgeschichte auf, aber es ist einfach nicht mehr dasselbe.
  • 2013: The Hangover 3. Wann merkt man, dass eine Kultkomödie wirklich nicht weiterzuführen ist? Offenbar nach Teil 3, wenn man Todd Philipps fragt.
  • 2013: A Good Day to Die Hard. Dank Bruce Willis ein einigermassen solider Actionfilm. Trotz Bruce Willis beim besten Willen kein «Die Hard».
  • 2016: Independence Day: Resurgence. Nicht alles, was Roland Emmerich anfasst, wird zu Gold. In den 90ern wäre der direkt auf VHS erschienen.
  • 2018: Ocean's 8. Frauen an die Macht! Netter Heist-Film, der aber besser nicht auf die Serie gelabelt geworden wäre.

2. Comic-Verfilmungen

Wenn es um ihre gezeichneten Lieblinge geht, dann verstehen Comic-Fans keinen Spass. Die bunten Superhelden müssen in Echt genau so sein wie in den Heften. Und sobald eine Serie lanciert ist, werden die Sequels dann wieder am ersten Teil gemessen, woran vor allem die Batman-Filme zu beissen hatten:

  • 1995: Batman Forever. Val Kilmer anstatt Michael Keaton. Jim Carrey als Joker, Tommy Lee Jones als Harvey Two-Face. Und das kommt dabei raus…
  • 1997: Batman & Robin. George Clooney anstatt Val Kilmer. Arnold Schwarzenegger als Mr. Freeze, Uma Thurman als Poison Ivy. Und das kommt dabei raus… 
  • 2003: The League of Extraordinary Gentlemen. Die Superhelden der klassischen Literatur vereint unter der Leitung von Sean Connery – mit ganz miese CGI…
  • 2004: Catwoman. Eine so gute Figur kann Halle Berry im schwarzen Latex gar nicht machen, um dieses unterirdische Drehbuch rauszureissen.
  • 2005: Fantastic Four. Ein erfolgreicher Comic wird nicht automatisch zu einem erfolgreichen Film. Siehe auch weiter unten unter «Remakes».
  • 2007: Ghost Rider. Dass Nicholas Cage ein sicheres Händchen für schlechte Filme hat, muss auch Eva Mendes feststellen.
  • 2008: The Spirit. Frank Miller will an sein bahnbrechendes «Sin City» anschliessen, doch die Optik allein reicht leider nicht… Unterirdisch!
  • 2009: X-Men Origins: Wolverine. Weil das Spin-off Hugh Jackman nicht gerecht wurde, erhielt Wolverine 2013 gleich noch einen Film. Einen gelungeneren.
  • 2010: Jonah Hex. Josh Brolin, John Malkovich und Megan Fox in einem Comic-Western? Klingt nach Spass, ist aber nur lächerlich.
  • 2011: The Green Lantern. Das Bleibendste an diesem Fehltritt von Ryan Reynolds: Er lernte bei den Dreharbeiten seine heutige Frau Blake Lively kennen.
  • 2013: R.I.P.D. Auch die Rolle als Cop im Jenseits bringt Ryan Reynolds kein Glück. Immerhin hat er inzwischen Blake Lively geheiratet.
  • 2016: Batman v. Superman. Dark Knight gegen den Man of Steel – aus einer reizvollen Idee wird eine lieblose Materialschlacht.
  • 2016: Suicide Squad. «Worst. Heroes. Ever.» So lautet die Tagline. Ganz so schlimm wars nicht, aber Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung.

3. Game-Verfilmungen

I confess: Ich bin kein Gamer. Aber als Film-Fan muss ich feststellen, dass Verfilmungen von Games unter einem schlechten Stern stehen…

  • 1993: Super Mario Bros. Aufregung: Das Nintendo-Kultspiel als Film mit echten Menschen! Resultat: Schlechter Slapstick.
  • 1994: Streetfighter. Jean-Claude Van Damme führt die Video-Fighter in den Kampf gegen Raul Julia. Unfreiwillig komisch.
  • 1995: Mortal Kombat. Die Game-Klassiker kommen im Jahrestakt. Leider wird die Qualität von Skript und CGI nicht besser.
  • 2000: Dungeons & Dragons. Fantasy ist schon ein Jahr vor «Herr der Ringe» in Mode – aber hier können weder Drachen noch Jeremy Irons etwas retten.
  • 2004: Resident Evil: Apocalypse. Schon die Hauptrolle von Milla Jovovich hat nichts mit dem Game zu tun. Spätestens ab Teil 2 wirds auch als Zombie-Horror langweilig.
  • 2005: Doom. Auf dem Mars verwandeln sich nur jene in Zombies, die böse sind. Der Titel sollte wohl eher «Dumm» lauten.
  • 2008: Speed Racer. Sogar die Wachowski-Brüder (die mittlerweile Schwestern sind) tappen in die Falle der Game-Verfilmungen.
  • 2008: Max Payne. Schlechte Action, schlechte Effekte. Leider hat auch Mark Wahlberg in der Sorgfalt der Filmauswahl viel Luft nach oben.
  • 2016: Assassin’s Creed. Als Auftaktfilm einer ganzen Serie angedacht. Komischerweise spricht inzwischen niemand mehr von einer Fortsetzung.

4. Remakes

Man sollte meinen, eine Neuverfilmung sei eine sichere Sache – weit gefehlt. Die lieben Remakes habe ich in einem eigenen Blog-Beitrag schon genügend gebasht. Erwähnt werden müssen sie trotzdem, kurz und knackig: 

  • 1995: Sabrina. Harrison Ford und Julia Ormond scheitern an der drei Oscars hohen Hürde von Humphrey Bogart und Audrey Hepburn.
  • 1998: The Avengers. Nein, nicht Marvel. Das Remake der beliebten britischen Agentenserie aus den 60ern hat zwar Schirm und Melone, aber sicher keinen Charme.
  • 1998: Psycho. Gus van Sant kopiert Alfred Hitchcock Bild für Bild. Das Resultat landet genau am anderen Ende der Skala als das Meisterwerk von 1960.
  • 1998: Godzilla. Der erste grosse Misstritt von Roland Emmerich. Das Beste am Katastrophenfilm ist die Tagline: «Size does matter.»
  • 2001: Planet der Affen. Sorry, Mark Wahlberg, ich mag dich wirklich gern. Aber diesmal hast du dich von Tim Burton reinziehen lassen…
  • 2002: Rollerball. Running Man auf Inline Skates. Funktioniert 27 Jahre später einfach nicht mehr.
  • 2004: In 80 Tagen um die Welt. Jackie Chan und Steve Coogan ziehen Jule Vernes Literaturklassiker ins Lächerliche.
  • 2005: The Fog. Das Original hatte Jamie Lee Curtis und den Charme von John Carpenter. Der Nebel des Remakes ist nur grau, nicht zum Grauen.
  • 2010: A Nightmare on Elm Street. Noch nie was von diesem Remake gehört? Dann halte dich bitte an den Freddie von 1984.
  • 2012: Total Recall. Wieso um Himmels Willen heisst dieser Langweiler genau gleich wie der Schwarzenegger-Spass von 1990?
  • 2013: Carrie. Man könnte es mutig nennen, sich an Brian de Palmas Kulthorrorstreifen von 1976 zu versuchen. Ich nenns überflüssig.
  • 2014: Teenage Mutant Ninja Turtles. Man sollte meinen, 24 Jahre sollten reichen, um das mittelmässige Original zu verbessern. Sollten auch.
  • 2015: Fantastic Four. Kann das Remake das schlechte Original noch unterbieten? Es kann! Siehe auch weiter oben unter «Comic-Verfilmungen».
  • 2016: Ben-Hur. Charlton Heston im Streitwagen war früher ein TV-Klassiker an Ostern. Davon kann dieser Sandalenfilm nur träumen.
  • 2017: The Mummy. Tom Cruise sollte eigentlich das «Dark Universe» lancieren. Stattdessen zieht er im Vergleich mit Brendan Fraser den Kürzeren.

5. Stephen-King-Verfilmungen

Eine Zeitlang war das Etikett «Nach einem Roman von Stephen King» ein Flop-Label für Filme. Deshalb wären wir mit der Aufzählung der rundum geglückten Verfilmungen von Büchern des «King of Horror» fast schneller fertig: «Die Verurteilten», «Es» (2018 und 19), «Sie», «The Green Mile» oder auch die älteren Werke «Carrie» (siehe weiter oben unter «Remakes») und «The Shining» sind Belege dafür, dass die Bücher des «King of Horror» nicht per se unverfilmbar sind. Hier aber dennoch eine Auswahl an besonders missglückten Exemplaren:

  • 1984: Kinder des Zorns. Könnte Linda Hamilton wirklich durch die Zeit reisen, würde sie in diesem Jahr wohl nur in «Terminator» mitmachen.
  • 1990: Es. Ein unglaublich dichtes Buch unglaublich platt verfilmt. 28 Jahre werden vergehen, bis endlich die würdige Verfilmung kommt.
  • 1993: Needful Things. Das Buch ist eines der Besten von King. Die Besetzung ist überdurchschnittlich. Der Film ist ganz bescheiden.
  • 1995: The Langoliers. Genau solche Machwerke wie diese Miniserie sind der Grund für Kings schlechten Ruf bei Nicht-Lesern. Grottenschlecht und todlangweilig.
  • 2003: Dreamcatcher. Vier Jahre nach «The Green Mile» wieder eine Top Besetzung. Grosse Vorfreude. Grosse Enttäuschung. 
  • 2019: Friedhof der Kuscheltiere. Schon die Verfilmung von 1989 war kein grosser Wurf. Leider nichts gelernt – das Remake ist noch schlechter.
  • 2017: The Dark Tower. 9 epische Bücher in 90 Minuten? Lächerlich. Gleichzeitig mit McConaughey und Elba zwei Top-Shots zu verschwenden, ist schon fast wieder Kunst.

Das Feld der Enttäuschungen ist ein weites und sehr subjektives Feld. Welche Filme vermisst ihr in dieser Aufzählung?