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Begegnung

Bei Anruf: fort!

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08. August 2011

Sybil Schreiber: Dieses Teil ist hübsch, doch nicht ganz billig. Aber das sind die schönen Dinge fast nie. Wann hebt er endlich ab? Wie lange soll ich mir das Handy noch ans Ohr drücken?
Er hat doch gesagt, er arbeite heute zu Hause. Dort klingelt es im Arbeits-, im Wohnzimmer und im Gang. Das kann man doch unmöglich überhören!
Mein Blick fällt wieder auf die Kaffeemaschine. Eigentlich brauchen wir ja keine, unsere italienischen Mokkakannen in allen Grössen funktionieren wunderbar. Die muss man weder entkalken und reinigen noch müssen gebrauchte Kapseln entsorgt werden. Trotzdem bin ich vom Design und den Knöpfchen hingerissen.
Und dann die Farbe: Platin. Echt edel!
Vor allem ist der Apparat aber um 50 Prozent runtergesetzt!
Ich will Schneider davon überzeugen, dass wir uns zum Schnäppchenpreis sozusagen eine Zweitmaschine zulegen können.
Es tutet. Und tutet. Aber es tut sich nichts! Ich weiss, dass er nicht gern telefoniert, aber irgendwann muss er ja rangehen!
Noch dreimal klingeln. Hebt er dann nicht ab, schlage ich zu.
Eins. Zwei. Ach was, Schluss, ich kaufe!
Irgendwie muss er ja lernen, dass ein Telefon dazu da ist,um es zu benutzen und nicht um es zu ignorieren.

Steven Schneider: Wie schön, in aller Ruhe auf unserem Sofa zu sitzen und in einem Buch zu lesen. Genau dafür hat man die beiden Dinge ja vor geraumer Zeit auch erstanden; beides in der Absicht, es viel (das Sofa) und bald (das Buch) zu benutzen.
Die Realität sieht manchmal anders aus.
Just als ich es mir gemütlich mache, klingelt das Telefon. Sehr ärgerlich. Ich mag keine Anrufe.
Es drängt sich jählings etwas Anonymes in mein Leben, ich muss mich überwinden, mich mit etwas auseinanderzusetzen, was nicht geplant war. Zum Beispiel ein Zeitungsabonnement kaufen und mich überreden lassen, Geld auszugeben.
Nein, da mag ich E-Mails doch viel mehr, die lassen einem Zeit.
Natürlich bin ich zu Hause ein einsamer Rufer.
Schreiber telefoniert gern und mühelos. Nur ich drücke mich, wann immer es geht.
Unglaublich, wie lange es jetzt schon läutet. Ist es vielleicht Schreiber von unterwegs? Ist das Auto stehen geblieben? Ich beschliesse, es noch drei Mal klingeln zu lassen. Dann ist es nämlich wirklich was Wichtiges. Eins. Zwei. Na, gut, dann halt. Ich hebe ab: Schneider? Niemand mehr dran.
War also nichts Dringendes. Und vielleicht habe ich jetzt auch grad noch Geld gespart.