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Begegnung

Eindeutig doppeldeutig

Sie spricht schreiberisch, was Schneider kaum versteht.

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07. Oktober 2011

Sybil Schreiber: Alle zwei Jahre stellen wir ein neues Leseprogramm zusammen und treten damit in Bibliotheken, Kleintheatern, bei Frauenvereinen und Kulturkreisen auf. Ich habe lange überlegt, bis ich den passenden Titel für das aktuelle Programm fand: Vollkommen unpaarfekt!
Als ich Schneider zum ersten Mal davon erzählte, hat er, so vermute ich, nicht richtig zugehört. Selber schuld. Denn jetzt, viel zu spät, regt er sich über den Titel auf: Das heisst unperfekt. Und etwas Unperfektes ist nicht vollkommen!, mosert Schneider.
Von wegen! Ich muss ihm das wohl gründlicher erklären: Du hast den Witz nicht kapiert. Du bist mein unperfekter Mann und darum exakt der Richtige. Wenn du weisst, was ich meine.
Er blickt irritiert: Nein.
Auch das ist einer seiner Mängel: Er versteht nur, was er will. Dabei liegt der Reiz einer Beziehung doch in den Brüchen und Störungen. Läuft alles glatt, entsteht keine Reibung, die ja unter anderem auch Wärme gibt. Ich versuche es erneut: Ich wollte nie einen Mann, der Formel1 schaut und Fussball spielt. Trotzdem hab ich mich in dich verliebt entgegen all meiner Ideale und Prinzipien.
Du hattest Prinzipien?
Jetzt nicht mehr, dank dir.

Steven Schneider: Wie kann man nur vollkommen und unperfekt in Zusammenhang bringen? Und dann noch das per durch paar ersetzen?
Typisch Schreiber! Wenn ihr das passende Wort fehlt, dann erfindet sie es kurzerhand. Sie nennt das kreativ. So steht sie, wenn sie gestresst ist, nicht am Abgrund und auch nicht am Rand, sondern am Abrand; hitzige Sitzungen sind für sie turbulös und nach einem intensiven Kurstag fühlt sie sich leergefüllt.
Und nun ihr jüngster Wurf: Vollkommen unpaarfekt. Zwei Wörter, drei Widersprüche! Das schafft nur Schreiber. So spüre ich es eben!, sagt sie und erwartet, dass alle ihren Gedankensprüngen folgen können. Ein völlig bescheuerter Titel für unsere Lesungen, antworte ich ihr. Noch dazu liegen ihm angebliche Defizite von mir zugrunde. So ein Quatsch!
Dem Titel fehlt vollkommen die Tiefe und Ironie, sage ich, zudem ist er schwierig zu verstehen.
Für Männer vielleicht..., antwortet sie. Du hättest dir ja was Besseres ausdenken können, statt jetzt herumzumeckern!
Wie denn? Du hast mich überrumpelt. Ich hätte auf jeden Fall etwas Augenzwinkerndes und viel Treffenderes genommen.
Und das wäre?
Der perfekte Mann!