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Begegnung

Voll im Bild

Sie läuft durch Zürich und er ist laufend auf dem Laufenden.

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04. Mai 2012

Steven Schneider: Ein besonderer Tag: Meine Kleine ist mit Freunden unterwegs, die Grosse mit der Allergrössten, und ich kann einen ganzen Tag ungestört arbeiten. Pling! Eine Mail. Sent from my iPhone. Also von Schreiber. Samt Foto.
Ich sehe meine Stadtschwärmerinnen auf dem Computer erscheinen: Die zwei sitzen strahlend vor einem Glas Fruchtsaft. Ich tippe in die Tasten: Geniesst es.
Minuten später: Pling! Soll ich es kaufen?
Was? frage ich mich, da folgt, pling!, das Foto zum Text: Alma in einem rosa T-Shirt vor einer Umkleidekabine.
Klar, tippe ich, leicht verstört. Ich würde so gern arbeiten... Pling!
Wir sind soooo glücklich! Dazu ein verzerrtes Foto, das Schreiber mit der rechten Hand gemacht hat, während sie mit der linken unsere Tochter drückt. Im Hintergrund ein Kronleuchter und Tischchen. Sitzen die schon wieder in einem Kaffee?
Kann man so schnell bummeln? Und wie soll ich arbeiten, wenn dauernd Mails kommen, die ich beantworten muss, denn Schreiber schickt auch Fragen: Erinnerst du dich? Dazu ein Bild von einem Platz mit Bäumen.
Nein!, hacke ich in die Tasten, worauf mein Handy klingelt: Hast du was?, fragt Schreiber.
Habe ich was? Ja, zu viel Empfang.

Sybil Schreiber: Wie gut das tut! Einfach mal nur mit der einen Tochter einen Tag verbringen.
Ich habe meiner Älteren einen Zürich-Bummel-Tag geschenkt, denn das brauchen wir auch mal: dieses Nur-du-und-ich-und-sonst-niemand. Also auch keinen Mann. Und wenn meine Töchter keine Schwesternkonkurrenz haben, sind sie ja so was von süss und heiter.
Wir schlendern durch die Bahnhofstrasse, trinken zum Auftakt frisch gepressten Fruchtsaft auf der Dachterrasse meines Lieblingskaffees, was, zugegeben, ein Vermögen kostet, aber egal: Heute ist ein besonderer Tag.
Mutter-Tochter-Tag. Kurz: MTT.
Ich zeige Alma all jene Orte, an denen ich als junge Frau gerne war, damals, als ich noch bei der Zeitung arbeitete und Zürich meine Heimat war. War eine gute Zeit.
Jetzt ist eine noch bessere Zeit. Meine Tochter und ich schlendern über den Lindenhof, fahren eine Station mit dem Limmatschiff, besuchen das Kunsthaus, legen uns am See auf eine Bank und blinzeln in die Sonne.
Sie sagt, ich sei viel lockerer so allein mit ihr. Ich sage: Stimmt.
Und weil ich so glücklich bin, schicke ich meinem Liebsten Fotos ins Büro. Als Trost, damit er sich nicht so allein fühlt ohne uns.

(Coopzeitung 18/2012)