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Begegnung

Ausgeträumt

Sie ist wankelmütig. Er wankt keinen Millimeter.

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02. April 2013

Sybil Schreiber: Unsere drei Welpen werden immer hübscher, was sage ich, sie sind die schönsten Hundebabys der Welt und vermutlich auch hochbegabt. Der Anblick von Pünktchen, Balu und Dschiny löst bei mir seit Wochen Glücksgefühle aus. Ich bin verliebt und ein Ende meiner Euphorie ist nicht in Sicht. Ein Ende unseres Gross-Rudellebens allerdings schon: Die Kleinen werden in ein paar Wochen ein neues Zuhause haben. Das bricht mir bereits jetzt das Herz.

Hat man eins, kann man doch auch zwei haben.»

Schneider hockt neben mir, wir streicheln die Tierchen und kichern, als sie wild durcheinanderpurzeln und ihre Mutter genervt knurrt. Lilla ist bestimmt froh, wenn sie bald wieder ihre Ruhe hat, behauptet Schneider. Wie kommst du denn darauf?, frage ich empört. Na schau mal, sie ist spindeldürr vom Stillen, liegt völlig geschafft den ganzen Tag herum, die Kleinen klettern, toben und kacken pausenlos. Lilla hat keinen Augenblick Ruhe.

So ist das als Mutter, sage ich, trotzdem will man seine Kinder nicht loswerden. Und weil mir das grad als der richtige Moment erscheint, ergänze ich: Übrigens ist mir eingefallen, dass es mit Kindern wie mit Hündchen ist: Hat man eines, kann man genauso gut auch zwei haben.

Steven Schneider: Manchmal muss ich bei Schreiber höllisch aufpassen, weil sie in gewissen Bereichen eine raffinierte Propagandaschiene fährt. Am Anfang klingt das zum Beispiel so: Natürlich werden wir keinen der Welpen behalten.

Ich muss höllisch aufpassen.»

Mit der Zeit lässt ihre Ausdrucksweise mehr Raum für Interpretation: Also, nicht, dass ich zwei Hunde wollte, aber ich stelle mir das lustig vor. Schritt drei verschärft die Situation, denn irgendwann wird ihr vor den Kindern herausrutschen, dass zwei Hunde ja nicht viel mehr zu tun gäben als einer. Die Kinder wittern ihre Chance und betteln mich weich. Auf diese Weise habe ich schon Dingen zugestimmt, die ich nicht wirklich wollte. Zum Beispiel Wohnmobilferien. Oder unserem Ersthund. Natürlich haben die Wohnmobilferien Spass gemacht, und Lilla würde ich auf keinen Fall mehr hergeben. Aber ein Zweithund! Nie und nimmer! Schön, dass wir so viele Interessenten haben für unsere Welpen, sage ich deshalb. Träumen darf man ja wohl..., sagt sie schmachtend.Träumen schon, antworte ich. Aber wehe, du beginnst im Schlaf davon zu reden. Oder gar vor den Kindern! Sie blickt wie ein begossener Pudel. Also haben wir bereits zwei Hunde im Haus.

(Coopzeitung Nr. 14/2013)