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Begegnung

Fit mit Verve

Sie wird fit die Familie sagt: ein Witz.

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04. November 2013

Sybil Schreiber: Es gibt Begegnungen in meinem Leben, die ich lieber vermeiden würde. Zum Beispiel mit unserer Waage im Badezimmer. Um mal wieder ein erfreuliches Resultat zu erzielen, muss ich mir was einfallen lassen; etwa nicht nur weniger essen, sondern mich auch mehr bewegen. Und siehe da: Zufällig lese ich im Lokalblatt, dass in unserer Turnhalle Skigymnastik angeboten wird. Ich mache jetzt einmal pro Woche Sport, verkünde ich stolz. Und was machst du da?, will unsere Kleine wissen. Na, rennen, strecken, hopsen... Meine Tochter kichert. Schneider grinst: Einmal pro Woche oder einfach nur einmal?Während meine Familie über meinen Sporteifer spottet, mache ich mich auf die Suche nach meiner Turnhose. Erstaunlicherweise passe ich noch rein. Ich greife mir ein Ringel-T-Shirt dazu, zurre die Haare mit Klammern nach hinten, schlüpfe in die Turnschuhe und blicke in den Spiegel. Ich bin zwar nicht begeistert, aber auch nicht erschüttert.

Ich mach jetzt einmal pro Woche Sport.»

Als ich die Treppe in meinem sportlichen Look wie Lara Gut hinunterschwinge, sieht mich meine ältere Tochter. Sie verzieht das Gesicht: Nö, Mama, das ist nicht dein Ernst, oder? So langsam, langsam, bleibt mein Elan doch auf der Strecke.

Steven Schneider: Schreiber und Sport welch seltsames Duo. Sie kündigt jeweils gross ihre neue Fitness-Strategie an und bricht sie kurze Zeit später stillschweigend wieder ab. Ich erinnere mich an ihr Pilates-Programm, an ihr Fitness-Abo samt ausgeklügeltem Trainingsplan, an ihren Beckenbodenkurs. Seit ich sie kenne, bricht sie jeden Kurs spätestens nach der dritten Lektion ab. Gejoggt ist sie in ihrem Leben etwa zwei Mal. Aber vorher macht sie immer hochfliegende Ankündigungen, behauptet, alles werde anders und vor allem: Sie werde leichter. Dabei wäre es so einfach mit weniger Schokolade!

Schreiber und Sport welch seltsames Duo.»

Stattdessen nascht sie weiter und macht zudem mir noch ein schlechtes Gewissen: Das wäre doch auch etwas für dich, diese Skigymnastik, haucht sie und blickt dabei nicht in mein Gesicht, sondern auf meinen Bauch. Klar, ich sollte mich mehr bewegen. Aber ihr Übereifer löst bei mir das Gegenteil aus. Wenn ich sie im Sportdress sehe, sage ich mir: Lieber gemütlich geniessen, als sich lächerlich machen. Was sie gerade tut: Sie balanciert im Wohnzimmer auf einem Bein, das in einer arg knappen Hose steckt, rudert mit den Armen und behauptet, das sei Gymnastik. Könnte aber auch Comedy sein.

(Coopzeitung Nr. 45/2013)