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Begegnung

Ganz spontan!

Sie will mehr zusammen, er mehr leben.

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24. Juni 2013

Steven Schneider: Schreiber und ich haben uns vor langer Zeit auf der Redaktion der Schweizer Familie kennengelernt. Wir sassen uns in einem Büro gegenüber und die Dinge nahmen ihren Lauf, wie es die Unterzeile des Magazins damals versprach: Die Zeitschrift fürs Zusammenleben.

Ich glaube, ich muss mal wieder allein abhauen.»

Deshalb sitzen wir uns heute noch ab und zu im Büro gegenüber, zu Hause nämlich. Bloss bin ich nun nicht mehr so rettungslos verliebt wie damals, und manchmal nervt es, wenn ich zuhören muss, wie sie viel zu laut telefoniert.
Zudem ist auf meinem Bildschirm gerade unsere Familienagenda offen und ich sehe, dass alle kommenden Wochenenden besetzt sind: Besuch aus Frankfurt. Besuch aus München. Ein Wochenende lang diesen Hund zum Hüten, ein anderes jenen Hund. Dazu Abmachungen mit Freunden bis zum Abwinken.
Ich erkenne, dass dieser kurze Sommer voll gepackt ist mit Terminen, die keinen Raum für Spontanes lassen, dabei sagt doch gerade Schreiber immer, spontan sei am besten. Und just in diesem Moment ruft sie in den Hörer: Dann lass uns doch einen Termin im August festlegen.
Festlegen? Ich glaube, ich muss mal wieder allein abhauen, das ist mir alles zu viel Zusammenleben und zu wenig spontan hier!

Sybil Schreiber: Es gibt Freunde, die sehen wir viel zu selten und nur, wenn wir früh genug einen Termin vereinbaren. Grad eben habe ich mit unseren ehemaligen Nachbarn aus Zürich telefoniert und spontan einen Tag Ende August festgesetzt, den wir mit ihnen geniessen wollen. Voriges Jahr ist das Treffen nämlich ins Wasser gefallen. Einmal im Sommer muss ich einfach im Zürichsee baden, erkläre ich meinem Liebsten, der mir gegenüber hinter seinem Computer brütet.

Ach der Herr fühlt sich von mir eingeengt.»

Er grummelt: Du weisst genau, dass mich das fertig macht, all diese fixen Termine! Das engt mich ein! Ach, der Herr fühlt sich eingeengt? Wenn ich nicht ab und zu etwas mit anderen Familien abmachen würde, dann sähen wir gar niemanden! Ich klicke mich schnell auf unsere elektronische Agenda und gehe die nächsten Monate durch: Wer von uns besetzt denn all die Wochenenden? Schneider! Und zwar für sein Ego-Programm: Venedig mit seinen Kumpels, Nürburgring mit seinen Brüdern, Singwochenenden mit seinem Chor.
Soll er ruhig bocken, ich werde auch in Zukunft zwischen seinen Erlebniswochenenden Familienzeit einplanen. Am besten sofort per Tastatur: schnurstracks ist der September reserviert. Für spontane Ausflüge zu viert.

(Coopzeitung Nr. 26/2013)