X

Beliebte Themen

Begegnung

Nebengeräusche

Er will still schauen, sie will mehr.

TEXT
28. Oktober 2013

Steven Schneider: Wir haben unseren Kindern einen Filmabend versprochen. Sofakino daheim. Mit selbst gemachtem Popcorn, bequemem Liegelager und einem Film nach ihrer Wahl. Wie schön! Ich schiebe die DVD rein und setze mich mit der Fernbedienung aufs Sofa.
Die Mädchen drücken sich an mich, Lilla rollt sich zu meinen Füssen ein, Schreiber bildet auf dem Sofa den Rechtsaussen.
Nicht lange nach dem Vorspann und exakt in dem Moment, als der Film beginnt, juckt sie auf und geht in die Küche.
Es fängt an!, rufe ich. Sie trällert: Komme gleich, schaut nur, der Anfang ist eh nicht wichtig!
Kurz danach sitzt sie wieder, klimpert mit dem Löffel in ihrer Teetasse und will nun von den Kindern wissen, wer der Typ mit der Gitarre sei und warum das Mädchen aus Texas zurück ist.

Und jetzt redet sie voll in dieFilmdialoge rein!»

Das war der Anfang! Und jetzt redet sie voll in die Filmdialoge rein! Kannst du bitte den Film still geniessen, so wie wir?, sage ich beherrscht, während ich beinahe die Fernbedienung in meiner Hand zerquetsche.
Klar, antwortet sie und kichert so laut, dass ich wieder nichts verstehe. Dann springt sie auf. Ich füttere noch rasch die Katzen, gell? Erzählt mir dann, was ich verpasst habe.

Sybil Schreiber: Herrlich, so ein gemütlicher Filmabend. Die Kinder sind glücklich, Schneider spielt sich als Chef auf und ich kann in aller Ruhe zwischendurch noch dies und das erledigen.
Kannst du mal einfach sitzen bleiben!, schimpft Schneider vom Sofa aus, als ich grad dabei bin, Kerzen anzuzünden.
Ist doch viel schöner so, richtig romantisch, wie der Film. Da gehts doch um Liebe, nicht wahr?
Die Kinder zischen wütend psst!, und ich setze mich seufzend aufs Sofa.
Kinoabend heisst für meine Familie: zwei Stunden still sitzen und schweigen. So wie im Kino. Aber Kino daheim ist eben viel besser, denn jeder kann, wann immer er will, zum Beispiel aufs WC. Und auch sonst eine Menge erledigen. Ganz abgesehen davon höre ich ja mit einem Ohr zu, wenn ich mir in der Küche einen Tee koche. Klingelt das Telefon, dann geh ich rasch dran, damit die anderen nicht gestört werden. Natürlich sage ich dann leise: Du, wir können jetzt nicht plaudern, wir schauen grad einen Film.

Wie heisst der Film schon wieder?, frage ich.»

Welchen Film?, will meine Freundin aus Zürich wissen.
Wie heisst der Film schon wieder?, frage ich deshalb fröhlich in die Runde.
RUHE!!
Was für ein seltsamer Titel, aber nun, dann halt. Ich flüstere Ruhe in den Hörer und lege auf.

(Coopzeitung Nr. 44/2013)