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Begegnung

Schnappschuss

Sagt er was oder nicht: Falsch ist es sowieso.

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07. Oktober 2013

Steven Schneider: Wir sind bei meinem Bruder zum Essen eingeladen. Während die Lasagne im Ofen brutzelt, veranstalten wir Männer ein Pingpong-Turnier. Mein Bruder spielt gerade gegen seinen Sohn und ich gehe hinein, wo die Frauen in ein Gespräch vertieft sind. Störe ich? Nein, gar nicht, sagen Schreiber und meine Schwägerin und reden weiter, als wäre ich Luft. Ich schaue ratlos umher. Da sehe ich eine Zeitung, schnappe sie mir und setze mich neben Schreiber auf einen Stuhl. Ich bin tief in der Lektüre versunken, als die Frauen lauter werden und Schreiber ruft: Halloooo, wir haben dich was gefra-hagt.

Ach, das hat ja keinen Wert, grunze ich»

Wie? Was? Also ehrlich, sagt sie. Du kannst doch nicht einfach nur Zeitung lesen, wenn wir zu Gast sind. Ja, aber ihr Du musst jetzt nicht gleich einschnappen. Einschnappen? Ihr ignoriert mich, und wenn ich versuche, euch nicht zu stören, dann beklagt ihr euch, dass ich nicht rede? Findet ihr das nicht seltsam? Meine Schwägerin lacht: Seltsam? So sind nun mal die Schneidermänner, kriegen viel zu schnell schlechte Laune. Ach, das hat ja keinen Wert, grunze ich, stehe auf und gehe wieder raus zu den Männern und höre grad noch, wie die eine der anderen zuraunt: Typisch!

Sybil Schreiber: Was für ein gemütlicher Abend. Meine Schwägerin und ich unterhalten uns als gebeutelte Betroffene über die Pubertät. Das ist bekanntlich jene Zeit, in der die Eltern schwierig werden, sagen die Pubertierenden. Da kommt Schneider, und unsere traute Zweisamkeit ist vorbei. Was will er hier? Sonst ist er kaum vom Pingpong-Tisch loszureissen. Er fragt, ob er störe, was ich grad bejahen will, aber meine Schwägerin sagt freundlich Nein. Schneider schnappt sich lustlos eine Zeitung und blättert. Etwas unhöflich, scheint mir, aber ich rede weiter, als ob nichts wäre: Und kaum sage ich etwas, brüllt sie rum und rennt aus der Küche. Meine Schwägerin nickt wissend. Wenn ich mal herumalbere, findet sie mich grad voll peinlich! Und ihre Kleider liegen flächendeckend auf dem Boden. Wir lachen.

Er fragt, ob er störe, was ich bejahen will.»

Was solls, wir waren mit 13 auch nicht anders. Durcheinander halt, chaotisch, überdreht, frech. Ich frage Schneider, ob er das auch so sieht. Was? Wie? Ich ermuntere ihn, doch auch mal etwas zu diesem Thema zu sagen, worauf sich ein Disput entwickelt, der damit endet, dass Schneider muffig aus dem Zimmer geht. Ich blicke meine Schwägerin an. Von wegen, nur mit 13 sei man launisch.

(Coopzeitung Nr. 41/2013)