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Begegnung

Ausgangssperre

Wilder Besuch raubt zarte Nerven.

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11. August 2014

Sybil Schreiber: An die Mücken habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Ich spraye uns alle in der Dämmerung mit extrastarkem Anti-Brumm ein und fackle spiralenweise Rauchkerzen ab, die zwar in den Augen brennen und womöglich giftig sind, aber wenigstens drehen so die Mücken woanders ihre Runden. Was mich jedoch echt stresst, sind diese Wespen. Superaggressive Kampfwespen, die unseren Parmaschinken anpeilen, bevor ich überhaupt eine Scheibe auf das fade italienische Weissbrot legen kann.

Es ist einfach zu gefährlich, draussen zu essen.»

Die Kinder essen nur noch im Auto, denn es ist einfach zu gefährlich hier draussen. Und unsere offene Literflasche mit Lemonsoda wurde innerhalb von Minuten zur Wespenbar. Wir haben keinen Schluck davon getrunken. Schneider findet mich wieder mal zu hektisch. Es tut fast so, als würde ich durch mein Geschimpfe und Gewedel die Viecher anziehen. Das ist ja wohl völlig absurd! Ich bin vielmehr der Meinung, dass auch Wespen irgendwo herkommen und irgendwo hinwollen. Also mach ich mich auf die Suche nach ihrem Geheimversteck. Ich schleiche um unser Zelt, um unseren Bus, untersuche den Baum, an dem unsere Wäsche hängt, ich gehe in die Knie, da sehe ich unter unserem Auto etwas surren. Etwas? Etwas viel!


Steven Schneider: Wir wohnen auf einem Wespennest!, ruft Schreiber mit schriller Tonlage. Der Eingang ist beim linken Vorderrad. Gute Adresse, denke ich, aber Schreiber ist ganz ausser sich. Sie löst die Wäscheleine zwischen Bus und Baum, dann stopft sie unseren ganzen Hausrat in Plastiktüten. Wir müssen weg! Sofort! Also jetzt wird es eh dunkel, da fliegen die in ihr Nest. Wir können das morgen machen, sage ich. Nein, mich stresst das. Und sie stresst mich! Dennoch versuche ich es mit Humor: Wir fahren einfach unser Vorderrad direkt auf das Loch. Dann haben die für heute Nacht Ausgangssperre.

Schreiber ist ganz ausser sich. Das stresst mich.»

Schreiber blickt, als hätte ich grad eben auf Elefanten geschossen. Dabei ist es ja sie, die aus Mücken..., naja, was solls. Wespenstiche schmerzen ja wirklich. Schreibers Plan auf dem Camping: Einpacken, abbauen, umparken, aufbauen, und zwar an einem sicheren Ort, sagt sie. Ein sicherer Ort? Etwa einer, an dem keine lebensgefährlichen Tiere wie Wespen und so in Erdlöchern leben? Da fällt mir nur ein Ort in der Nähe ein: der Parkplatz vom ipermercato, dem gigantischen Shopping-Center im Städtchen. Alles asphaltiert und damit garantiert frei von Wespen, die im Boden hausen.

(Coopzeitung Nr. 33/2014)

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