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Begegnung

Drei Mal Sch...

Schlurfen, Schlappen, Schaumparty.

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18. August 2014

Steven Schneider: In unseren Campingferien war viel los. Es war zuweilen sehr laut, wir wurden von Wespen attackiert und entdeckten dann ein Erdloch-Nest, worauf Schreiber unseren Bus samt Zelt verschob. Dauerte einen halben Tag. Es hat mich auch nicht sonderlich genervt, als nach zwei Tagen Hunderte von Ameisen aus unserer Kühlbox krabbelten, in der meine sündhaft teure Salami lag. Ich hatte auch kein Problem damit, dass unser Hund abgenagte Schweinerippen aus dem Gebüsch anschleppte und unter meinem Schlafsack versteckte.

Ich war ziemlich locker. Wirklich.»

Nein, ich war ziemlich locker. Wirklich. Ich schaltete von Tag zu Tag mehr und mehr auf Flipflop-Latschen-Modus um. Schlurfte vom Zelt an den See, an die Bar, ins Restaurant. Dazwischen spielte ich mit Schreiber Tennis, was vor allem für die Zuschauer lustig war. Auch in den Duschen, die nur mit Chip funktionierten, also eigentlich nie, war ich völlig entspannt. Denn ich wusste: Es hat einmal ein Ende. Nämlich heute, Freitagabend, mit Animation und Ibiza-Schaumparty, vorne beim Restaurant. Dann drehen alle durch, wie mir Giuseppe an der Bar zugeflüstert hat. Auch Schreiber. Aufgeregt ruft sie unseren Kindern hinterher: Gell, ihr passt auf, dass ihr nicht zu nass werdet.

Sybil Schreiber: Eigentlich wollten wir ja schon am Nachmittag abreisen, aber als die Kinder hörten, dass am Abend Schaumparty auf dem Programm stehen würde... Also, dann halt. Fahren wir nachher los. Ich wollte sie im Bikini auf die Tanzfläche schicken, doch Schneider schimpfte: Der Witz ist doch, dass die Kleider nass werden.

Alles singt, lacht. Die Stimmung ist sauglatt.»

Jetzt sitzen Schneider und ich ein letztes Mal an der Bar, schlürfen unsere Espressi, vernünftig, wie wir sind. In der Open-Air-Disco versprüht eine Düse pausenlos Schaum; die Kinder verschwinden in der Gischt. Alles kreischt, lacht, tanzt, die Lautstärke ist kaum auszuhalten. Der Teufel ist los und die Stimmung sauglatt wortwörtlich. Grosseltern, Babys, die muskelbepackten Animateure, alle, wirklich alle hüpfen auf der seifigen Tanzfläche herum. Ausser Schneider und ich. Wir prosten uns mit den Tässchen zu. Und wie haben dir die Ferien hier gefallen? Er lächelt und schreit: War mal was anderes. Aber ganz ehrlich: Ich freue mich wirklich auf zu Hause. Ich lächle auch und brülle: Weisst du, das Gute an Zeltferien ist, dass man irgendwann die Nase voll hat. Sogar ich. Da kommen die Kinder vorbeigerannt, patschnass, und rufen: Nächstes Jahr kommen wir wieder! Abgemacht?

(Coopzeitung Nr. 34/2014)

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