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Begegnung

Erntedankfest

Sie schmeisst alles, und er schaut zu.

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30. Juni 2014

Sybil Schreiber: Was für ein Sommerwochenende! Gemeinsam mit Freunden feiern wir wie jedes Jahr auf einer Waldlichtung die langen Tage und kurzen Nächte. Wir zelten auf der Wiese, spielen Fussball, futtern, lachen, trinken.

Schneider liefert die Ideen, ich die Zutaten»

Die Logistik für so ein Hippie-Wochenende liegt bei mir. Schneider hatte die Idee, ich liefere die Zutaten. Und das sind viele. Denn egal, ob man zwei Nächte oder zwei Wochen zeltet: Der Aufwand ist derselbe. Allein das Nachtlager mit vier Matratzen, Schlafsäcken, Kissen, Taschenlampen bedeutet: Treppe rauf, Treppe runter. Dann die Verpflegung, die Ersatzklamotten und die Box für unseren Hund. Da ich gerne anpacke, macht mir das sogar Spass. Es macht mir auch Spass, unser Zelt einzurichten.
Schneider ist bei alldem nur der Ersatzspieler. Er hilft zwar kurz beim Zeltaufbau, ab dann steht er aber mit einem Bier in der Hand nur noch am Feuer, schwatzt mit seinen Kumpels und wendet Würste.
Nach zwei kurzen Nächten und einem Schneiderkater später heisst es für mich wieder: abbauen, packen, schleppen.
Als wir sonntagabends erledigt auf dem Sofa sitzen, bricht es aus mir heraus. Ich schluchze und sage: Wenigstens ein einziges Mal könntest du Danke sagen.

Steven Schneider: Schreiber liegt auf dem Sofa neben mir, erledigt, nach Rauch, Schweiss und Heu riechend und weint.
Mist!
Sie war an diesem Zeltwochenende sehr fleissig, was ich auch registriert habe: Ich sah, wie sie unser neues Buszelt eifrig einrichtete, den Kindern Obst brachte, Sonnencreme auf Rücken schmierte, unsere Kleine nach Zecken absuchte, den Hund tränkte, ganze Runden mit lustigen Geschichten unterhielt, mit mir meine Brille suchte und wie sie in den beiden Nächten mit allen tief in den Wald zu den Glühwürmchen wanderte.
Das gefiel mir. Schreiber ist eine Macherin. Dazu noch stark, hilfsbereit und fröhlich.
Deshalb konnte ich mich mal so richtig entspannen und das Wochenende geniessen. Und immer wieder mal dachte ich: Danke, meine Liebste, danke.
Bloss, gesagt habe ich es nicht, denn ich hatte ja so viel mit allen anderen zu reden, da ging das eben vergessen.
Ich fahre ihr über die zerzausten Haare und flüstere: Danke, du bist wunderbar!

Alle Achtung: Sie ist nicht mal sauer auf mich.»

Das kommt zwar spät, aber sie lächelt trotzdem. Und sie ist nicht einmal sauer auf mich. Alle Achtung!
In Zukunft muss ich eindeutig mehr an mir arbeiten.Und die Zukunft beginnt morgen: mit einem grossen Blumenstrauss.

(Coopzeitung Nr. 28/2014)

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