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Begegnung

Gute Nacht

Was der einen lau, ist dem anderen laut.

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21. Juli 2014

Sybil Schreiber: Unser neues Buszelt bewährt sich mit seiner geräumigen Schlafkabine. Zwei von uns liegen im Zelt, die beiden anderen schlafen im Bus, so der Plan. Wir werden uns aber abwechseln, damit jeder von uns mal überall geschlafen hat.
Im Auto beginnen ich und die Kleinere.
Herrlich! Gute Matratze plus kuscheliges Kopfkissen von daheim. Damit wir nicht von Mücken gestört werden von denen es hier beim Schilf wimmelt verschliesse ich Fenster und Türen. Nett. Es ist, als wären wir in einem richtigen Zimmerchen. Mein Schneckenhäuschen.

Das neue Buszelt bewährt sich.»

Am Morgen weckt uns die Wärme. Ah, habe ich gut geschlafen!
Und wie war deine Nacht?, frage ich Schneider, der bereits vor dem Zelt sitzt und sich das Kreuz reibt.
Laut!
Laut? Also, bei uns nicht.
Er deutet Richtung See. Ein Kreis aus Zelten und Bierflaschen: Die haben heute Nacht gefeiert.
Echt, ich hab das nicht gehört. Warum hast du nichts gesagt?
Ich soll denen was sagen? Gehts noch? Meinst du, ich stapfe nachts im Dunkeln zu irgendwelchen betrunkenen Italienern und sage, sie sollen leise feiern?
Nein, ich dachte: Warum hast du mir nichts gesagt? Du hättest im Bus schlafen können und ich hätte mich bei denen beschwert. Aber mal so richtig!

Steven Schneider: Als ich die Männerrunde gestern sah, dachte ich noch: Toll, lauter Väter, die mit ihren Söhnen ein Wochenende unter freiem Himmel verbringen.
Heute morgen frage ich mich: Wie können Familienmänner so laut feiern, während ihr Nachwuchs schlafen soll?
An Schlaf war nicht zu denken. Noch dazu habe ich jedes Wort ihrer lautstarken Diskussion verstanden. Sie redeten über Essen, Berlusconi, Ferrari bei diesem Thema hatte ich eine komplett andere Meinung und kein bisschen über Frauen. Speziell irgendwie.

An Schlaf war nicht zu denken.»

Ich lag hellwach auf meiner Matratze, die im Lauf der Nacht immer dünner wurde. Irgendwann bin ich doch noch eingeschlafen. Geweckt haben mich Wurzeln am Boden, denn irgendwann war die Luft ganz aus der Matratze.

Und jetzt wirft mir Schreiber vor, ich sei zu feige gewesen, nach Ruhe zu schreien. Dabei sprichst du doch so gut Italienisch. Du als halber Italiener kannst deinen Landsleuten das doch sagen, oder?
Dass sie es getan hätte, auf Hochdeutsch, daran zweifle ich nicht. Aber als Mann beschwert man sich nicht, wenn andere feiern. Schon gar nicht in Italien. Schon gar nicht als Schweizer.
Lieber schlafe ich schlecht und stehe dafür vor mir selbst gut da.

(Coopzeitung Nr. 32/2014)

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