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Begegnung

Wutfeuer und Flamme

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29. Dezember 2014

Schreiber: Jahresende hat was denn danach fängt etwas Neues an. Damit das Danach so richtig frisch und freudig beginnen kann, muss im Vorher all der Moder und Missmut weggeräumt werden. Vorher ist jetzt. Ich sitze allein daheim, Schneider und die Kinder sind den ganzen Tag unterwegs. Ich brauche meine Ruhe, denn ich will meine Wut wegbrennen. Klingt seltsam. Aber da der Tipp von meiner Seelenfrau kommt, mit der ich meine Gefühle aufräume, bin ich zuversichtlich. Dieses Abschiedsritual soll helfen, Ereignisse, die mir nicht gutgetan haben, aus meinem Inneren zu verbannen. Denn dort haben sie nun wirklich nichts zu suchen.

Ich kritzle, fluche, schimpfe, tobe, schreibe. Tut saugut. »

Zuerst schreibe ich gedankenlos meinen ganzen Ärger auf Papier, ich kritzle, fluche, schimpfe, tobe, schreibe, schreibe, schreibe. Tut saugut. Dann zerknüddel ich all die Zettel und stelle mir dir Frage, ob es in all der Wut etwas gibt, wofür ich Danke sagen kann. Ja, tatsächlich, gibt es.
Danke!

Zum Schluss des Rituals mache ich ein Feuer im Garten, werfe die Zettel rein und lass Funken sprühen. Weg mit euch schlechten Gefühlen! Die Dämmerung schleicht sich heran. Schneider auch, er ist zurück und steht neben mir: Hm, lecker, gibts Würste? Nein, wieder gute Laune.

Schneider: Schreiber ist manchmal unkonventionell, und als sie mir sagt, dass sie zwischen den Jahren einen Tag für sich brauche, um emotionale Altlasten zu entsorgen, weiss ich: Das ist wichtig für sie. Es ist dunkel, als die Kinder und ich zurückkommen und Scheiber vor dem Feuer antreffen. Ich lege meinen Arm um sie: Und, wie fühlst du dich?Sehr wohl, sehr freundlich, sehr wutlos. Wutlos? Ja. Ich habe Wut verbrannt.Aha. Dann greift sie in ihre Jackentasche und reicht mir ein flaches Päckchen.

Ich wünsche mir, keine Wut mehr zu schlucken.»

Weihnachten war doch grad erst!, sage ich. Ja, aber jetzt beginnt ein neues Jahr und ich möchte, dass du dir etwas Gutes tust. Du bist nämlich ein unverbesserlicher Ärger-Aufschieber und Runterschlucker, deshalb finde ich, du könntest dir wenigstens etwas Schönes wünschen.
Ich lese Flying-Wish-Paper im flackernden Licht. Was ist das denn? Du wünschst dir was, schreibst es auf den Zettel, zündest ihn an und lässt ihn fliegen. Du findest das sicher albern aber versuchs doch einfach mal. Dann geht sie. Stimmt, ich finde das speziell: Allein am Feuer stehen und einen brennenden Jahreswunsch gen Himmel fliegen lassen Hm, wie wärs damit: Ich wünsche mir, keine Wut mehr zu schlucken.

(Coopzeitung Nr. 01/2015)

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