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Begegnung

Jeder Rappen zählt

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15. Juni 2015

Er:Gerade als ich mich aufs Velo schwingen und ins Büro fahren will, fällt mir ein: Es ist Freitag. Und freitags kommt die Müllabfuhr. Im Schopf steht ein voller Sack, der auf die Strasse muss. Ich drehe um, steige ab, rein in den Schopf, raus mit dem Sack, ab an den Strassenrand. Halt, warte! Ich drehe mich um. Schreiber steht unter der Haustüre: Ich muss noch etwas reintun.

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Ich schaue den Abfallsack an: prall wie ein aufgeblasener Luftballon. Der ist schon voll. Bringst du ihn mir trotzdem noch einmal? Ich verdrehe die Augen. Schreiber deutet auf zwei gefüllte Papierkörbe im Gang, sie ist bereit für ihre Mission: Jeder Rappen zählt!

Mission erfüllt: Schreibers Tag ist gerettet!»

Damit meine ich: Sie stopft einen Gebührensack, als hinge unser gesamtes Glück davon ab. Sie bindet ihn auf, heisst mich, zu assistieren, stapelt den Inhalt der Körbe hinein, presst, drückt, stampft, arbeitet mit Klebebändern und Schnüren und zum Schluss ist der Sack um dreissig Zentimeter gewachsen. Schreibers Tag ist gerettet! Sie hat einen Franken sechzig gespart und will, dass ich nun Danke sage. Ich frage stattdessen: Kann ich endlich arbeiten gehen? Oder soll ich noch länger Zeit verplempern, damit du Geld sparst?

Sie:Drum drehe ich mit jedem Sack noch mal eine Runde durchs Haus und füttere ihn mit Wegwerfbarem. Bis er kugelrund ist. Schneider hingegen sieht sich als Gönner unseres Abfuhrwesens, wenn er leicht bestückte Säcke an den Strassenrand stellt. Im Sinn: Dörfs es bitzeli weniger si? Während er also Luft im Sack wegschmeisst, optimiere ich, und wer beim Abfall optimiert, optimiert bei allem. So entsorge ich etwa sperrige Styroporteile, indem ich sie klein rasple. Ist doch viel besser, als sie unzerkleinert mit dem Auto zehn Kilometer zur nächsten Sammelstelle zu fahren.

Er schmeisst Luft weg. Ich optimiere.»

Gut, das mit dem Raspeln funktionierte dann doch nicht. Ich konnte die Teile nur in den Sack pressen, sodass sie oben ziemlich weit rausschauten. Dafür habe ich dann einen Zettel drangehängt an unsere geschätzten Müllabfuhrmänner, die meine absolute Hochachtung erhalten für ihren Einsatz: Vielen Dank für Eure Arbeit, habe ich geschrieben. Und nächstes Mal lege ich noch eine Packung Kekse drauf. Sofern da noch Platz ist.

(Coopzeitung Nr. 25/2015)

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch