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Begegnung

Mitnehmsel

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02. Februar 2015

Schneider: Welch grandioser Abend, was für ein Essen und dieser Wein! Doch jetzt droht Ungemach: Schreiber will das Dessert mitnehmen. Peinlich! Schon ruft sie nach dem gutgebauten Kellner, reicht ihm unsere Schüsseln und sagt was von doggybag to go for the children ... Er lächelt, sie lächelt, er geht, sie sieht ihm hinterher der ist bestimmt Surfer und flüstert mir zu: Schau, die anderen nehmen ihre Reste auch mit.

Jetzt haben wir den Salat - den ich nie wollte.»

Wir sind aber nicht die anderen. Und du weisst genau: Ich hasse es, Restaurant-Reste mitzuschleppen, sage ich, als der Kellner bereits einen Styroportopf mit Fruchtsalat an unseren Tisch balanciert und Schreiber zuzwinkert. Ich schweige, wir zahlen. Schreiber schnappt sich den Autoschlüssel unseres Mietwagens, mir bleibt der Behälter.

Sie öffnet die Türen, ich lasse mich auf den Beifahrersitz fallen. Nicht gut. Der Topf gerät in Schräglage, Saft tropft auf meine Beine, Fruchtstücke plumpsen hinterher. Zufrieden?, blafft Schreiber. Du hast dein Ziel erreicht: bloss nichts mit nach Hause nehmen! Fangen ja gut an, unsere Ferien denke ich, blicke auf die versauten Hosen und das nasse Polster. Jetzt haben wir den Salat den ich gar nie wollte.

Schreiber: Träume ich? Vor uns rauscht das Meer, meine Füsse stecken im Sand statt in Skischuhen, und mir gegenüber sitzt Schneider im kurzen Hemd. Aufwachen! Der Traum ist wahr: Wir sind in Südafrika und besuchen meinen Bruder, der seit Jahren ein Fotostudio in Kapstadt betreibt. Es ist wunderbar und wunderbar anders: Sommer, Wärme, Linksverkehr. Nun geniessen wir zu zweit den Sonnenuntergang in einem legendären Fisch-Lokal an der Küste mit Sandboden, die Schuhe zieht man vor der Hütte aus. Damit der Boden nicht schmutzig wird, kichere ich. Wir prosten uns zu, lachen vor Glück, essen viel zu viel köstlichen Fisch. Derweil lässt sich Schneider den hiesigen Weisswein schmecken. Kein Problem, ich fahre uns zurück. Dann kommt das Dessert: Mangostücke, Ananas und Papaya im eigenen Saft. Wieder Unmengen! Das schaffen wir nie.

Entspann dich, du musst dich nicht schämen.»

Ich lass es einpacken, sage ich. Schneider erstarrt: Nicht dein Ernst! Wäre doch ein Jammer! Du weißt genau Ach, ja, ich weiss, es ist Schneider wieder mal peinlich.

Wie immer, wenn ich die Reste aus dem Restaurant mitnehmen will, für die wir bezahlt haben. Entspann dich! Denn hier gibt es garantiert niemanden, vor dem du dich schämen musst.

(Coopzeitung Nr. 06/2015)

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