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Begegnung

Rumpelstilzchen

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09. März 2015

SIE:Wir haben dicke Luft. Schneider zischt: Mir reichts. Ich geh mit Lilla aufs Hörnli. Sein Gegenmittel: frische Luft. Und weg ist er. Auf den Hügel. Gut so. Gestritten haben wir wegen blöden Alltagskrams: Da waren der nasse Badezimmerboden und meine giftig klingende Frage, warum Schneider nach dem Duschen nicht alles wieder trocken wischen könne. Er schimpfte zurück und moserte über Chaos im Wohnzimmer, zerkratzte DVDs und saure Milch im Kühlschrank. Wusch, wusch, wusch!

Und weg ist er. Auf den Hügel. Gut so.»

Wir fauchten uns an, jeder legte noch eine Kohle drauf und schon war er da, der Flächenbrand.Jetzt ist Ruhe. Ich mache mir einen Cappuccino mit extra viel Milchschaum. Wusch, wusch, wusch. Nach einer Weile merke ich, dass es mir eigentlich leid tut. Ich habe an Schneider unnötig Dampf abgelassen. Genervt hatte mich nämlich ein unangenehmes E-Mail, nicht er. Ich schau auf die Uhr, schlüpfe in die Schuhe und sprinte in den Wald. Versöhnung unter freiem Himmel das wärs. Ich mach Tempo, da sehe ich auf dem Weg weit oben einen Typen wild herumhüpfen. Boxen, stampfen, trampeln, hüpfen. Ein Rumpelstilzchen ausser Rand und Band. Wenn der sich nur kein Bein ausreisst, bloss, weil wir ein wenig gestritten haben.

ER:Manchmal lacht man über Kleinigkeiten. Kleinigkeiten, wie etwa sauer gewordene Milch im Kühlschrank. Und manchmal ärgert einen derselbe Umstand, als ob der Fortbestand der Welt davon abhinge. Warum ist das so? Ich stapfe durch den Wald, während ich mir diese Frage selber beantworte. Milch wird sauer, weil sich Bakterien und Hefe, die schon vorher in der Milch sind, unkontrolliert vermehren. So ergeht es auch mir. Irgendwelche Frusthäufchen in mir drin vermehren sich auf einmal unkontrolliert und ich explodiere. Und dafür kann ja Schreiber nichts. Ich denke nach. Was ist es denn, was mich in den letzten Wochen geärgert hat? Und dem ich offensichtlich nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet habe, um es zu erledigen? Ja, da fallen mir einige Dinge ein. Ich muss höllisch aufpassen, Ursachen nicht durcheinanderzubringen. Wenn mich etwas in der Arbeit ärgert, dann hat das wenig mit unserem Kühlschrank zu tun.

Zack, ein linker Haken, Mann, tut das gut.»

Also, runterkommen, sage ich mir. Raus damit. Ich blicke nach hinten: keine Menschenseele. Ich bin allein. Ich balle meine Fäuste. Denke an irgendwelche Idioten, die mich grausam nerven und: zack! Ein linker Haken, gefolgt von einem rechten Schwinger! Mann, tut das gut!

(Coopzeitung Nr. 10/2015)

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