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Begegnung

Sesselkleber

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15. Februar 2016

Er: Wir verbringen einige Tage in einem neuen Berghotel. Speziell für mich, denn ich mag lieber Ferienwohnungen. Schreiber hingegen liebt Hotels und markiert bereits im Zimmer, dass sie ab sofort hier zu Hause ist: Innert Minuten schaft sie es, 25 Quadratmeter Alpenchic mit ihren Kleidern vollzupflastern. Sie entscheidet auch, wo ich schlafe: Gell, das ist okay für dich, dass ich die linke Seite nehme.

Sie markiert sofort, dass sie hier zu Hause ist.»

Und trinken wir an der Hotelbar einen Apéro, dann ist es gell, okay für dich, dass du mit dem Rücken zum Raum sitzt. Denn Schreiber liebt es, Leute zu beobachten. Besser als Kino,sagt sie und nippt verzückt am Martini.
Dass sie im Restaurant nicht den Tisch nimmt, der uns empfohlen wird, weil dieser suboptimal ist, kenne ich. Wir sind an einem Abend auch schon dreimal umgezogen. Um das auszuhalten, brauche aber auch ich mein Revier: den Frühstückssaal. Weil ich jeweils eine Stunde früher aufstehe, trinke ich dort in aller Ruhe einen Kaffee und lese die Zeitung. Und zwar immer am selben Tisch. Aber was sagt Schreiber, als sie auftaucht: Ich würde eigentlich gerne mal woanders sitzen. Kein Problem, such dir einen Tisch aus!, sage ich, greife zur Zeitung und lese weiter.

Sie: Hotelferien mit Schneider sind soso lala. Er ist einfach nicht locker. Wie jetzt. Bleibt bockig sitzen, liest seine Zeitung und macht keine Anstalten, mal woanders zu frühstücken. Dabei wäre heute der Tisch vorne am Fenster frei. Viel heller, viel schöner. Auf den ha e ich die letzten Tage bereits ein Auge geworfen. Komm schon,da haben wir eine tolle Aussicht. Ich lese Zeitung und brauche keine Aussicht.Zeitung hast du auch daheim. Aber hier, dieser Blick! Und gleich kommt die Sonne hinter den Gipfeln hervor. Sonne haben wir später auch auf der Skipiste. Mann, ist der stur! Was findest du denn so toll an diesem Tisch hier?, will ich nun wissen. Dass wir jeden Morgen hier sitzen. Das gefällt mir, sagt er.Ich brauche in einem Hotel auch mal eine Konstante. Das ist für mich Erholung. Wegen einer Konstante in der hintersten Reihe sitzen bleiben? Schneider legt die Zeitung kurz beiseite: Mach du es dir dort ruhig gemütlich. Ich bleibe.

Er ist einfach nicht locker. Bockig, wie jetzt.»

Nun gut, ich habe die Wahl: Frühstück mit Blick oder ein Mann hinter der Zeitung. Der Fall ist klar. Welche Zimmernummer haben Sie?, fragt mich die Kellnerin. Dieselbe wie der unflexible Herr da drüben in der dunklen Ecke.

(Coopzeitung Nr. 07/2016)

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch