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Begegnung

Der Königsweg

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10. Juli 2017

Schneider: Ich hatte es schon einige Male ganz nebenbei erwähnt: Das mit dem SUP, dem Stand Up Paddling. Auf Deutsch: Stehpaddeln. Schreiber nahm entweder kaum Notiz davon oder tat es als Laune ab. Solche Reaktionen sind mir nach so vielen gemeinsamen Jahren freilich nicht fremd und mittlerweile sind sie Teil meiner strategischen Planung, denn: Bei Schreiber gibts zuerst immer ein Nein. Früher, da ärgerte mich das und die Neins führten zum Streit.

Aber das habe ich hinter mir. Seit einiger Zeit nähere ich mich einem Thema jeweils in kleinen Schritten. Einige Neins sind völlig in Ordnung, Hauptsache, am Schluss steht da ein Ja.

Hauptsache, am Schluss steht ein Ja.»

Wusstest du, dass in Hawaii

Ich will nicht nach Hawaii, sagt Schreiber.

Ich auch nicht. Aber dort durfte früher nur ein Einziger stehend auf einem Brett paddeln.

Ja, und?

Der König. Stehpaddeln war der Sport des Königs.

Und was soll mir das sagen? Willst du König werden?

Nein. Viel lieber Stehpaddler. Aber eine gute Ausrüstung kostet, ich habe nachgesehen, etwa 1500 Franken.

1500? Um im Wasser auf einem Brett zu stehen?

Viel Geld, was?

Freut mich, dass du das auch so siehst.

Natürlich sehe ich das so, sage ich zufrieden. Wieder ein Schrittchen weiter!

Schreiber: Im Sommer springt Schneider oft frühmorgens in den Rhein, schwimmt in die Flussmitte und treibt auf der Grenze zwischen der Schweiz und Europa dahin. Die Mädchen und ich gehen erst dann mit, wenn es richtig, richtig warm wird. Dann baden auch wir im Glück. Wer muss da noch in die Ferien? So ein Wasserparadies vor der Haustüre ist doch der reine Luxus!

Schneider reicht das nicht. Er will noch mehr Luxus und schwärmt seit Längerem von einem Paddelbrett, um damit den Rhein hinunterzugleiten. Er denkt aber, dass ich dagegen sei. Deshalb erwähnt er das Thema stets nur so nebenbei.

Ich weiss, wie mein Schneider tickt.»

Dabei weiss ich genau, wie mein Schneider tickt: Er stapelt bewusst tief, weil es ihm eben wirklich ernst ist.

Aus lauter Gewohnheit verhalte ich mich aber wie immer und sage: Nein! Eine Technik, mit der ich uns vor grösseren Dummheiten wie Auswandern, dem Kauf einer Vespa oder dem Ausbau des Dachstocks erfolgreich bewahrt habe.

Doch meine Neins haben Nuancen: Es gibt ultimative Neins und es gibt taktische Neins. Das aktuelle Nein ist Letzteres, denn sonst hätte ich uns nicht heimlich für einen SUP-Anfängerkurs auf der Aare angemeldet. Mal sehen, ob Schneider danach noch immer ein Brett will.

Mein Leben als Paar die besten Kolumnen der letzten drei Jahre als Buch. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.