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International

Schreiber und Schneider tun sich in Interlaken etwas schwer mit der Wahl eines Restaurants, weil die internationale Auswahl einfach zu gross ist. In Spiez erwacht dann die Liebe.

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Sybil Schreiber und Steven Schneider; Karte Loris Succo
29. Mai 2017

SIE: vor dem Eingang zur Beatushöhle am Thunersee.


Neunte Etappe

SIE: mit den Gastgebern in der Maison Burgdorf.

ER: Inspiriert erreichen wir nach unserem abendlichen Bummel unsere Unterkunft auch diese mit internationalem Anstrich. Die Maison Bergdorf wurde Anfang der 1900er-Jahre von einem vermögenden Kanadier als Sommerfrische gebaut. Heute führen es der Designjournalist Mirko Beetschen und Innenarchitekt Stéphane Houlmann. Sie haben das grosszügige Chalet in ein exquisites Guesthouse umgebaut. Hier könnte ich tagelang lesen und den Rest der Welt vergessen.

SIE: Das Haus ist ein Gesamtkunstwerk! Klassische Musik, Fotokunst von Chantal Michel, erlesener Stilmix aus aller Welt. Wir sitzen auf der Veranda unter einer Glyzinie, in der Ferne stahlt uns im fahlen Mondschein die Jungfrau an. Mann, ist das alles schön!
ER: Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Schiff zu den Beatushöhlen, erklimmen den kurzen Weg hinauf zum Eingang, wo ein burgähnlicher Bau unter einer Felswand klebt, als wäre er ein Kloster im Tibet.

SIE: Der Missionar Beatus stammte von den britischen Inseln und soll in dieser Höhle einen Drachen bekämpft haben. Heute sind 14 Kilometer des Höhlensystems erforscht. Wir begehen einen davon und ich staune, wie viel Wasser es hier gibt. Es tropft, gurgelt, rauscht. Im Museum erfahren wir mehr dazu.

ER: Sieh mal, ein 3-D-Modell. Unsere Erde ist nur so von Spalten und Furchen durchzogen.

SIE: Ein schwarzes Universum unter unseren Füssen.

ER: Und irgendwann kommt all das Wasser, das im Boden versinkt, wieder ans Tageslicht.

SIE: Stimmt. Das sollte uns zu denken geben: Was aus den Augen ist, ist deshalb noch lange nicht verschwunden.

ER: Ganz benommen von einem Film im Museum über Höhlentaucher, jene Extremsportler, die die grössten Risiken überhaupt eingehen, machen wir uns wieder auf den Weg zur Schiffsanlegestelle. 1834 bestellten die Gebrüder Knechtenhofer in Paris ein 16-PS-Dampfschiff. Fast dreissig Jahre war es in Betrieb, dann sank es. Noch immer liegt es 120 Meter tief auf Grund.

ER: im Schlossgarten beim Spiezer Schloss.

SIE: Wir stampfen durch die Wellen nach Spiez, um die angeblich schönste Bucht Europas zu besuchen. Das Wetter ist jedoch alles andere als berauschend.

ER: Dafür ist das Schloss prachtvoll, der Garten üppig und die frühromanische Basilika gehört zu den sogenannten 1000-jährigen Kirchen am Thunersee.

SIE: Auch hier begegnen wir Reisenden aus aller Welt. Spontan quatsche ich eine junge Chinesin an und frage sie, was ihr hier am Thunersee besonders gefalle. Sie gibt mir auf Schweizerdeutsch Tipps, was ich unbedingt anschauen solle. Den Niesen zum Beispiel. War wohl keine Touristin.

ER: Also rauf auf die Pyramide. Denn als Swiss Pyramid wird der Ausflugsberg Niesen vermarktet. Supersteil fährt eine Zahnradbahn den Berg hoch, der in der Tat pyramidenförmig ist.

SIE und ER: auf der Swiss Pyramid, dem Niesen.

SIE: Auf der Fahrt regnet es zuerst, weiter oben schneit es. Wagenführer Markus Rubin erzählt uns von der Tierwelt am Niesen. Tatsächlich sehen wir zwei Hasen und einen Birkhahn.

ER: Die Aussicht vom Niesen ist prachtvoll. Sagt man. Denn wir stehen im Nebel. So ist es nun mal in den Bergen: Kein Monat im Jahr, an dem es nicht an einem Tag mal schneien kann. Wir stecken mitten in einer Wolke.

SIE: Wem gehören eigentlich die Wolken?

ER: Gute Frage. Die Natur kennt keinen Besitz und keine Grenzen, nur ewigen Kreislauf.

SIE: Gefällt mir. Und weisst du was, ich hab mich grad wieder mal verliebt.

ER: Grossartig!

SIE: Ausnahmsweise aber nicht in dich, mein Liebster, sondern in die Schweiz.

Reisetipps

Interlaken

  • Naturschutzgebiet Weissenau mit Sicht auf See und Niesen.
  • Kunsthaus Interlaken mit Kunst und Konzerten.

Spiez
Heimat und Rebbaumuseum in Spiez mit historischem Bauerngarten.

SVS auf Tour

Unsere Kolumnisten Sybil Schreiber und Steven Schneider sind unterwegs in der Schweiz. Sie folgen der Grand Train Tour und berichten einmal im Monat über Bekanntes und Unbekanntes.
Heute: Folge 9 von Interlaken nach Spiez.

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