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Begegnung

La La La

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27. Februar 2017

Schreiber: Wir hinken mal wieder hinterher wie die alte Fasnacht, finden aber doch noch ein Kino, das La La Land im Programm hat. Nun gehen wir, was selten vorkommt, alle vier in die Abendvorstellung. Schneider musste ich überreden, aber was solls, nachher wird er genauso begeistert sein wie alle meine Bekannten, die den Streifen schon gesehen haben.

Es beginnt furios: Stau auf einer Autobahn vor Los Angeles, jemand stimmt ein Lied an, dann steigen nach und nach alle Leute aus ihren Wagen und tanzen und singen. Knallbunte Bilder, tolle Musik! Ein Feuerwerk! Schneider stupst mich und flüstert: Mann, ist das langweilig. Geht das jetzt so weiter?

Er soll uns ja nicht diesen Kinoabend versauen.»

Mann, könntest du dich mal mitfreuen, denke ich und hoffe, dass er sich zusammenreisst. Er soll uns ja nicht diesen Kinoabend versauen! Ab und zu gähnt er filmreif, aber sonst bleibt er anständig.

Zwei Stunden später treten wir hinaus in die Nacht. Ich bin ganz heiter von all der schönen Musik, den starken Schauspielern, den Farben. Und Schneider? Durch den Schein einer Strassenlaterne schicke ich ihm einen eindeutigen Blick, damit er vor unseren Töchtern ja nicht über den Film lästert. Was er nicht tut dafür etwas überraschend anderes.

Schneider:Welch langweiliger Streifen! Hoch dekoriert mit Preisen zwar, ich hatte mich zuvor noch kurz schlaugemacht, aber die Geschichte liesse sich locker auch in der Hälfte der Zeit erzählen.

Ich blicke nach links, nach rechts: meine Frauen scheinen verzückt, starren mit feuchten Augen und verklärtem Lächeln auf die Leinwand.

Hm. Es macht mich schon nachdenklich, dass ich mal wieder der Einzige bin, der anderer Meinung ist, ähnlich wie der Geisterfahrer, der sich fragt, wieso alle anderen in die falsche Richtung fahren.

Was für ein langweiliger Film. Ich schlafe fast ein.»

Vorne tänzeln in Grossformat derweil die Hauptdarsteller auf Parkbänke, steppen durch Strassen und schwingen sich in den Sternenhimmel. Ich schlafe fast ein. Alles total bunt, wie in einem kitschigen Traum. Doch irgendwann hat auch dieser ein Ende. Zum Glück! Raus aus dem Kino, endlich an die frische Luft! Dort erwischt mich Schreibers strenger Blick. Ich soll die Stimmung nicht versauen, schon klar.

Da sehe ich eine Parkbank unter einem Baum. Meine Chance: Ich tänzle darauf zu, drehe eine Pirouette, hüpfe auf die Bank, umarme den Baum, strahle zu den Sternen. Meine Mädels lachen, Schreiber applaudiert.

Was soll ich sagen: So gelingt der Kinoabend doch noch.

Die Kolumnisten live mit ihrem neuen Programm Mein Leben als Paar: 2.März in Bronschhofen; 10. März in Biglen. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.