X

Beliebte Themen

Begegnung

Militariamief

TEXT
28. August 2017

Schneider:Zwei Onkels aus Italien besuchen uns, und aus meinen Programmvorschlägen wählen sie das Militärmuseum in Full AG aus. Schreiber meint, da komme sie nicht mit und darüber bin ich froh. Das Museum ist zwar sehenswert, aber nichts für pazifistische Gemüter. Militär ist für Schreiber ein Reizthema, für mich als einstigen Minenwerfersoldaten aber auch ein wenig Nostalgie.

Wie es sich für ein gutes Museum gehört, gibt es am Ende des Rundganges einen Shop. Mit vielen ausrangierten Militärsachen, darunter auch Wollpullovern. Praktisch, warm und absolut unkaputtbar. Für den Preis kriegt man beim Herrenausstatter nicht mal ein Unterhemd. Also greife ich zu, ebenso nach einer Wollmütze und einem Offizierstäschchen.

Dieses Museum ist für mich auch Nostalgie.»

Zu Hause zeige ich meine historischen Errungenschaften Schreiber. Sie runzelt die Stirn, sagt: Hast du nicht schon so einen Pulli? Dann rümpft sie die Nase: Der stinkt gewaltig. Will die Schweiz ihre Feinde mit Mief vertreiben?

Ich schnuppere ebenfalls daran. Stimmt. Da hängt noch der Geruch von Motorenöl, feuchten Bunkern und schweisstreibenden Nachtübungen drin. Endlich ein origineller Männerduft, entgegne ich, denn Schreiber recht zu geben wäre ja die reinste Kapitulation.

Schreiber:Wie kann man an einem sonnigen Tag freiwillig in ein Militärmuseum? Für mich absolut rätselhaft. Genauso rätselhaft sind mir Schneiders Einkäufe. Er zeigt mir stolz seine robusten Trophäen ausgemusterter Militärepochen, strahlt, als hätte er grad bei Boss das Lager geleert. Leider hat er das nicht, leider wars wohl eher ein Bunker.

Boah, das verpestet ja die Luft, sage ich.

Nein, das ist ein ehrlicher Geruch, verteidigt sich Schneider.

Das sollte man alles gründlich waschen. Und die Ledertasche schrubbst du gründlich von Hand und legst sie an die Sonne!, sage ich.

An einem sonnigen Tag ins Museum?»

Schneider sollte jetzt: Zu Befehl! sagen, macht er aber nicht, sondern beklagt sich, ich sei heikel und würde bloss mein Gesicht als Pazifistin wahren wollen, dabei ginge es hier um ganz anderes.

Meine Nase trügt mich nicht, sage ich, schmeisse den Pulli in die Maschine und haue kräftig Waschmittel rein. Dazu gebe ich ein paar Löffel Natron, die Geheimwaffe gegen Mief.

Nach dem Waschen staune ich: Der Pulli ist extrem viel kleiner als zuvor. Das ist aber auch die einzige Veränderung. Der Gestank ist weiterhin kolossal, als gäbe es die Mission: stinken statt schiessen. Was mir als Pazifistin, wenn ich ehrlich bin, ganz gut passt.

Die Kolumnisten live mit ihrem Programm Mein Leben als Paar: 14.September Romanshorn; 15.September Staufen. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.