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Begegnung

Partygrill

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24. Juli 2017

Schneider: Schreibers Bruder lädt zur Gartenparty nach München ein. Ein Hammerfest mit hundert Leuten, viele davon sehr cool, viele davon sehr schön, viele davon kenne ich nicht. Ich melde mich deshalb freiwillig als Grillmeister, denn mit so einer Zange am Rost ist man jemand, hat etwas zu tun und kann die Leute mit Würsten und Witzen beglücken.

Ich richte meinen Grill in einer ruhigen Ecke ein, zünde die Kohle an, warte auf die perfekte Glut. Beunruhigt beobachte ich, dass mehrere Meter von mir entfernt noch ein Grill in Betrieb geht. Konkurrenz, und erst noch voll im Mittelpunkt. Vor allem, weil da ein schlanker Mann steht: dichtes Haar, Tattoos, unverschämtes Lächeln, blitzweisse Zähne. Ich frage mich: ein Model? Kann sein, mein Schwager ist ja erfolgreicher Modefotograf. Schreiber geht auf den jungen Typen zu, plaudert, er zückt sein Smartphone, zeigt ihr Fotos, sie strahlt.

Wahre Männer stehen am Feuer, nicht am Gas.»

Ich glaubs nicht! Sieht denn niemand, dass der an einem Gasgrill steht? Knopf drücken, Regler drehen, gleich wirds heiss dass ich nicht lache, das schafft jeder Amateurgrilleur! Ich aber bin der mit der Kohle! Und jedes Kind weiss, dass wahre Männer am Feuer stehen und nicht wie ein Würstchen vor der Gasflasche!

Schreiber: Es ist wie im Film: Traumwetter, Traumkulisse, Traumstimmung. Ich treffe alte Bekannte aus München, lerne neue Leute kennen, auch den Assistenten meines Bruders. Er steht am Anfang seiner Karriere, erzählt stolz von seinen ersten Veröffentlichungen in angesagten Modemagazinen. Ich erinnere mich, wie mein Bruder vor dreissig Jahren begann, wie die Aufträge immer mehr und immer interessanter wurden. Bin stolz auf ihn!

Er steht fröhlich inmitten all der spannenden Leute und schwatzt, weiter hinten, fast etwas versteckt, mache ich Schneider am Grill aus. Etwas verloren, scheint mir, aber toll, wie er anpackt und mithilft, denn ein Grill reicht schliesslich nicht für all die Gäste.

Alle sind heiter, locker. Aber was ist mit Schneider?»

Ich winke, Schneider winkt mit der Grillzange zurück. Wie schön! Ach, alle sind so glücklich, heiter, locker. Schneider winkt immer noch. Ich schicke ihm einen Luftkuss, aber er hört gar nicht mehr auf und rudert nun mit der Grillzange durch die Gegend. Ich runzle die Stirn.

Was meint er?Ich muss wohl zu ihm, verabschiede mich vom angehenden Starfotografen, schlendere durch die Runde, umarme liebe Menschen, lache, plaudere. Alsich endlich bei Schneider ankomme, sagt er: Dein Fleisch holst du aber bei mir!

Mein Leben als Paar die besten Kolumnen der letzten drei Jahre als Buch. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.