X

Beliebte Themen

Begegnung

Pieps, pieps!

TEXT
13. März 2017

Schneider: Schreiber kann sehr kompliziert sein. Vor allem, wenn wir abends auswärts essen und dazu Wein trinken wollen. Dann bespricht sie auf der Hinfahrt im Auto bereits die Planung: Wenn es einen Apéro gibt, dann nehme ich ein Glas, danach aber nichts mehr. Oder ich lass den Prosecco weg, trinke ein bisschen Wein, du kannst also mehr trinken, und ich fahr uns heim.

Ich denke nur: Warten wirs ab.

Oder willst lieber du fahren?, fragt sie.

Will ich nicht, ich will guten Wein trinken, und setze den Blinker.

Ach, nein, sind ja deine Freunde, dann sollst du es auch richtig ge-
niessen.

Genau so sehe ich das auch. Ich biege ab.

Ich will nicht fahren, ich will Wein trinken.»

Aber gell, nicht zu viel! Weil du schnarchst sonst.

Schnarchen? Beim Essen? Das wäre mir neu!

Oder sollen wir einfach mal abwarten und dann entscheiden?

Schreiber seufzt. Ich parkiere das Auto. Bin gespannt, was ihr sonst noch einfällt, bevor wir bei unseren Freunden klingeln.

Du sagst so gar nichts!, meint sie nun leicht angesäuert.

Ja, was soll ich denn sagen? Stattdessen hole ich tief Luft. Sie öffnet auf einmal das Handschuhfach und kramt hektisch ein kleines, schwarzes Teil raus. Parfum? Lippenstift? Fiebermesser? Sie hält es stolz in die Höhe und sagt: Blas mal!

Schreiber: Schneider bockt beim Anblick meines Alkoholmessgerätes: Was soll denn das sein?

Damit können wir vor der Heimfahrt messen, ob wir noch fahren dürfen.

Und warum soll ich jetzt blasen?

Einfach so. Als Test.

Das Teil funktioniert garantiert nicht, das sage ich dir jetzt schon. Ausserdem weiss ich, wann ich noch fahren kann.

Ja, genau, das sagen alle. Ein, zwei Gläschen, und dann einen Grappa. Aber nun kann ich beweisen, dass das schon zu viel ist. Ich lege das Gerät in meine Handtasche.

Bei keinem piepst es, dann ist Schneider dran.»

Die Gastgeber haben in der Küche bereits einige Flaschen geöffnet, es sind noch andere Leute da. Wir stossen an, plaudern, es wird nachgeschenkt. Ich halte meine Hand über das Glas und sage: Danke, ich fahre.

Schneider grinst: Eine Frau, ein Wort, und prostet mir zu.

Der Abend ist lustig und lecker. Kurz bevor wir aufbrechen, greife ich in meine Handtasche und zaubere das Alkoholmessgerät hervor. Alle lachen, und einer sagt, er hätte vor Jahren mal so ein Ding gekauft, hätte etwa 500 Franken gekostet. Dieses hier war 480 Franken günstiger.

Ich blase rein: null Promille. Dann wollen alle anderen auch. Seltsam: Bei keinem piepst es. Funktioniert wohl doch nicht. Dann ist Schneider dran.

Es piepst!

Die Kolumnisten live mit ihrem neuen Programm Mein Leben als Paar: 16.März Tscheppach; 17.März Waldenburg; 31.März Unterkulm. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.