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Begegnung

Trockenübung

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14. August 2017

Schneider:Es hat zwar eine Weile gedauert, doch nun sind wir endlich im Besitz von einem eigenen aufblasbaren SUP-Brett, einem Stand Up Paddling. Es steckt zusammengefaltet in einer grossen grauen Tasche, die Rollen hat. Grossartig!

Toll, sagt auch Schreiber. Lass uns gleich an einen See fahren und loslegen.

Kommt nicht infrage!, antworte ich.

Was?

Wir blasen das Ding zuerst mal im Garten auf.

Ich weiss, wies geht, auch wenns etwas dauert.»

Die gehören aufs Wasser, nicht auf eine Wiese, lächelt Schreiber.

Ich will ja auch nicht auf der Wiese fahren, sondern alles in Ruhe und stressfrei ausprobieren: wie die Pumpe funktioniert, wie lange das Aufblasen dauert und so weiter.

Genau das will ich auch. Und weil man dann auf dem Wasser herumfährt, sollten wir das am Wasser tun.

Nein, eben nicht! Ich kenne doch Schreiber, und deshalb will ich das im Garten machen. Da sieht kein Mensch zu, ich kann mir alle Zeit der Welt lassen und es besteht keinerlei Gefahr, dass mir Schreiber dauernd reinfummelt und es besser wissen will. Oder noch schlimmer: dass sie den nächstbesten Menschen fragt, ob er uns nicht zeigen könne, wie man ein SUP richtig aufpumpe, weil wir eben Frischlinge seien.

Nein. Ich weiss, wie das geht. Auch wenn es etwas länger dauert.

Schreiber: Es gibt wohl nur einen Menschen auf der Welt, der ein Wasserfahrzeug auf der Wiese ausprobiert: mein Mann. Die Anzeige der Pumpe funk-
tioniert nicht!, ruft er mir von unter dem Apfelbaum zu und rennt an mir vorbei ins Arbeitszimmer, wo er sich im Internet ein Filmchen ansieht, wie SUPs auf-
geblasen werden. Dann kehrt er zurück. Ich setze mich derweil in den Liegestuhl auf der Veranda und schaue zu, wie er erneut pumpt.

8 Minuten, 49 Sekunden, sagt er nach einem Blick auf die Stoppuhr, keucht und ergänzt: Ich bin ganz schön aus der Puste!

Er will aufs Wasser? Da ist aber nur Wiese.»

Als er den Schlauch aus dem Brett zieht, entweicht zischend die Luft. Er rennt rein, kommt nach zwei Minuten wieder raus und pumpt wieder los: Muss beim Ventil etwas verändern, kommentiert er. Endlich ist das Brett stocksteif, nun versucht er die Finne zu montieren. Er schimpft, dann rennt er wieder rein, zwei Minuten später wieder raus, steckt die Finne ein, einen Film später weiss er die passende Länge des Paddels und nach einem weiteren Filmchen, wie man die Luft richtig rauslässt und das SUP wieder in die Tasche kriegt.

So. Jetzt können wir aufs Wasser, sagt er zufrieden. Ich sehe mich um, aber da ist nur Wiese.

Mein Leben als Paar die besten Kolumnen der letzten drei Jahre als Buch. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.