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Schreiber vs. Schneider

Knubbelkäfer

31. Dezember 2018

Schneider: Neues Jahr, neue Chance: «Was würdest du an mir ändern, wenn du könntest?», frage ich Schreiber. Sie lächelt mich an: «Du bist perfekt.»

Na, dann ist wohl das meiste in Ordnung, denke ich, und freue mich. Zu früh. Schreiber reckt den Zeigefinger in die Höhe: «Halt, eine Sache: Du könntest leiser gehen.»

«Immerhin. Sie will nur Details an mir ändern.»

 

«Leiser gehen?» – «Genau. Habe ich dir schon oft gesagt.» Stimmt, hat sie. 

Stirnrunzelnd fährt sie fort: «Noch etwas: Lass deine Socken in Zukunft bitte nicht im ganzen Haus rumliegen, vor allem nicht auf dem Schreibtisch im Büro.»

«Das ist nur einmal vorgekommen.» 

«Ja. Dann, als ich in diesem Büro eine Sitzung mit einem Verlagsleiter hatte.» 

Mist, welcher Teufel mich geritten hat, ihr so eine Frage zu stellen?

Nun blickt sie wieder freundlich: «Das sind nur Kleinigkeiten. Ich will dich nicht grundlegend anders.»

«Sondern?»

«Nun, das ist wie bei einem Auto: Man entscheidet sich für ein Grundmodell, dann konfiguriert man Farbe und Ausstattung selber.»

«Aha. Und was wäre ich denn für ein Modell?» 

Sie denkt nach: «Hm, ein VW-Käfer?»

«Käfer? Wieso kein Porsche?» 

Schreiber grinst: «Porsche ist überhaupt nicht mein Fall. Ich liebe VW-Käfer! Die sind so schön knubbelig.»


Schreiber: Vermutlich hat Schneider wieder mal in irgendeiner Zeitung etwas über Beziehungen gelesen, das er spannend findet. Denn nun doziert er: «Sich selbst zu verändern ist etwas vom Schwierigsten. Wusstest du das?»

Logisch weiss ich das, schliesslich will ich schon lange meine Schokoladensucht in den Griff bekommen.

Er fährt fort: «Nur etwas ist noch schwieriger: jemand anderen zu ändern.» 

«Er hat wohl was über Beziehungen gelesen.»

 

Ich lächle: «Wem sagst du das! Aber ich will dich doch gar nicht anders. Einfach in den Details, da besteht noch Bedarf.» 

«Details? Genau, die Details sind es! Oft versuchen Frauen ihre Männer umzuerziehen und meistens wollen sie den Männern genau das austreiben, was einst der Grund war, weshalb sie sich in ihn verliebten. Das ist wissenschaftlich untersucht worden.»

«Früher hattest du jedenfalls keine Socken auf dem Schreibtisch rumliegen …»

Er ignoriert meinen Einschub und sagt: «Wenn es eine Frau tatsächlich schafft, ihren Mann nach ihren Wünschen zu formen, findet sie ihn nicht mehr interessant und verlässt ihn. Ich werde mich also nicht in den verwandeln, den du gerne hättest.»

Zu spät, Schneider hat noch nicht gemerkt, wie weit er bereits nach meinen Wünschen konfiguriert ist, mein Käfer.