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Begegnung

Licht im Dunkeln

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29. Januar 2018

Schneider: Schneider: Die spontane Idee von Schreiber, in der Nacht durch den Wald zu spazieren, gefällt mir. Machen wir viel zu selten. Ich geniesse die Ruhe, die kalte Luft, höre meinen Atem, das Knacken des Geästes, das Hecheln unseres Hundes.

Als ich mich umdrehe, um nach Schreiber zu sehen, ist sie weit abgeschlagen hinter mir. Zudem bleibt sie auch noch stehen. So kommen wir nie aufs Hörnli, unseren Hausberg, denke ich und rufe: Alles in Ordnung?

Ja. Geh nur, ich fotografiere bloss den Mond!

Ich dreh mich um: von Schreiber keine Spur.»

Fotos vom Mond? Im Dunkeln! Typisch Schreiber: Sie hält jeden Augenblick, der ihr gefällt, fest. Was im Grunde schön ist, aber wir kommen nicht vom Fleck und zudem werden die Fotos eh nichts. Wozu also Bilder machen? Lieber diese Winterstimmung im Kopf bewahren. Endlich holt sie auf. Atemlos.

Bleib in meiner Nähe, ich will dich hier nicht im Wald verlieren, sage ich.

Machst du dir Sorgen um mich? Wegen der Wölfe und Wildschweine? Ich sehe sie im Mondlicht schelmisch lächeln.

Nein, ich mach mir eher Sorgen wegen ihrer Kondition, was ich aber für mich behalte. Können wir weiter?

Sie nickt und ich steige den steilen Weg hoch.

Nach einigen Minuten schaue ich mich wieder nach ihr um.

Keine Spur von Schreiber.

Schreiber: Der Mond scheint taghell vom Himmel. Wie ich das liebe, in so einer Winternacht draussen unterwegs zu sein. Ein Glücksmoment für mein Erinnerungsschatzkästchen.

Schneider verwechselt das aber mit Sport und schlägt ein beachtliches Tempo an, mir geht die Puste aus. Ich mache eine Pause, auch, um den Mond zu fotografieren, ziehe meine Handschuhe aus, friemle mein Handy aus der Tasche, stelle es an. Was dauert, denn bei Kälte will es nicht so richtig auf Touren kommen.

Schneider ruft: Nicht stehen bleiben, komm! Du musst den Rhythmus finden. Muss ich? Gar nichts muss ich!

Das Handy ist bereit. Ich ziele Richtung Mond, ein weisser Punkt wird auf dem schwarzen Display sichtbar. Alles ist unscharf. Ich drücke ab, das könnte was werden.


Wie sag ich das Schneider bloss? Gar nicht!»

Da ruft Schneider von weit oben: Wo bleibst du?

Komm ja schon, trällere ich zurück. Als ich Schneider eingeholt habe, zeige ich ihm meine Mondfotos. Er sagt nüchtern: Ziemlich dunkel. Um meine klammen Finger zu wärmen, greife ich in meiner Jackentasche nach den Handschuhen. Leer. Mist, die habe ich wohl beim Fotografieren im Steilhang verloren. Also noch mal zurück. Bloss, wie sage ich das Schneider, der weitermarschiert ist?

Am besten gar nicht.

Schreiber vs. Schneider live mit ihrem Programm Mein Leben als Paar: 22.Februar Dinnerlesung Casinotheater Winterthur ZH, 24.Februar Weinfelden TG, 25.Februar Niederwil AG.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Die besten Kolumnen als Buch: Mein Leben als Paar erhältlichauf der Website von Schreiber und Schneider.