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Schreiber vs. Schneider

Meistens kommt es anders …

10. Dezember 2018

Schneider: Es würde mir überhaupt nichts ausmachen, Silvester zu verschlafen. Das war natürlich kein Thema in den letzten 14 oder 15 Jahren. Denn nur an Silvester durften unsere Töchter jeweils beliebig lang aufbleiben.

Dass wir Grossen lieber früh ins Bett gegangen wären, stand nie zur Diskussion. 
Aber diese Zeiten scheinen zu vergehen, unsere Ältere kündigt nämlich an: «Vielleicht feiere ich mit meinen Freunden.» Und die Jüngere: «Ich darf sogar dabei sein!»

«Mir schwant: ein klassisches Eigentor.»

 

Ich spitze die Ohren: Welch fantastische Idee! Leider erkennt Schreiber nicht das Potenzial, bei ihr meldet sich sofort das Muttertier, das an Festtagen die ganze Herde beisammen wissen will. «Och, das wäre aber schade …», fängt sie an.

Ich muss intervenieren: «Nein, das ist eine gute Idee. Eine Silvesterparty mit Disco, Tischbomben, Raketen? Ihr seid jung, feiert richtig!»

Schreiber schickt mir einen wütenden Blick. 

Unsere Töchter lächeln, sie haben wohl nicht mit einer so positiven Reaktion gerechnet und die Ältere beteuert: «Keine Angst, wir wollen ganz gemütlich feiern, einfach zusammen kochen und so. Wir räumen auch alles wieder auf.»

Und erst jetzt schwant mir, dass ich ein klassisches Eigentor geschossen habe. 

Schreiber: Schneider erlaubt unseren Töchtern spontan eine Silvesterparty bei uns daheim! Was denkt der sich dabei? Ich sehe mich schon bis vier Uhr morgens die Ohren zuhalten, während die Bässe durchs Haus dröhnen. Ich schaffs doch kaum bis Mitternacht wach zu bleiben! Ich muss eingreifen: «Moment, wo sollen wir denn den Abend verbringen?» 

Die Ältere zögert: «Vielleicht geht ihr edel essen. Und um zwölf kommt ihr und wir stossen dann halt kurz an.»

«Wir könnten eine 90er-Party machen.»

 

«So habe ich das nicht gemeint», sage ich,  «wieso feiert ihr bei uns? Ihr könntet doch zu jemand anderem gehen. Eure Freunde finden es bestimmt uncool, wenn wir plötzlich auftauchen.»

«Das stimmt», sagt Schneider, der endlich verstanden hat, dass er uns ohne Not eine schlaflose Nacht einhandelt: «Oder wollt ihr etwa, dass eure Mutter mit euch in der Stube abtanzt? Ihr wisst, wozu sie imstande ist!» Er grinst, ich gerate ins Schwärmen: «Das wäre toll, wir könnten eine 90er-Party machen, mit euch Jungen würde ich mich so richtig jung fühlen!», sage ich, in der Hoffnung, dass meine Drohung bei unseren Töchtern wirkt. 

Leider irre ich mich: Schneider grinst auf einmal nicht mehr, sondern blickt gequält: «Okay, wir gehen in ein Restaurant.»