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Begegnung

Super 18

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02. Januar 2018

Schreiber: Ich habe mir für 2018 ein grösseres Projekt vorgenommen: eine Reise in meine Vergangenheit. Die Schachtel mit den Super-8-Filmen meiner Eltern staubt nämlich schon seit Jahren im Abstellraum vor sich hin. Vor einiger Zeit liess ich einen grossen Teil digitalisieren, und nun werde ich endlich aus den Kilometern unserer Kindheit unterhaltsame Filme schneiden.

Ich schaue mir die farbigen Schnipsel an, das rote VW-Käfer-Cabrio mit meiner Mutter am Steuer: sie so wunderschön, mein Vater, mit seinem Blick wie Paul Newman. Ein echt attraktives Paar. Und was haben die alles mit uns unternommen! Eine glückliche Kindheit wars zwar nicht immer, aber auf dem Bildschirm schon, da strahlen wir wie in einem Werbefilm für Tiefkühlpizza.

Ich war mutig, meine Eltern waren locker.»

Und wenn ich erst mich ansehe: zahnstocherdünn beim Windsurfen vor Sardinien, allein auf einem finnischen See mit unserem Schlauchboot unterwegs zum Einkaufen, allein mit einem Katamaran noch weiter draussen vor der jugoslawischen Küste.

Ich war mutig, und meine Eltern waren wirklich locker, muss ich sagen. Ich zeige Schneider meinen Rohschnitt. Er staunt und am Ende fragt er vorsichtig: Wo ist denn dieses mutige, abenteuerlustige Mädchen von damals geblieben?

Schneider:Schreiber lädt zur Welturaufführung ihres Kindheitsfilms ein. Ich habe bereits Ausschnitte präsentiert bekommen, gestaunt und mich köstlich amüsiert. Spannend, den Menschen, den man nur als Erwachsenen kennt, als Kind zu sehen. Schreiber erinnerte ein bisschen an einen Storch! Und wie sportlich und mutig sie war!

Begeistert kommentiert sie ihren Film: Hier, das war in Jugoslawien. Ferien ohne Strom im Haus, dafür mit Ratten und Skorpionen! Ich weiss noch, dass mein kleiner Bruder und ich mit dem Schlauchboot auf andere Inseln übersetzten; wir hatten einen Aussenborder, den ich anwerfen konnte. Dort legten wir an, picknickten, schnorchelten in einsamen Buchten und entdeckten Seepferdchen. Als die Sonne den Abend ankündigte, tuckerten wir zurück. Ich war damals 14 Jahre alt. Verrückt, nicht?

Wie sportlich und mutig sie doch war.»

Wir alle nicken. Und unsere beiden Mädels sagen einhellig: Toll, Mama, was du alles durftest. Das würdest du uns nie erlauben!

Das ist auch gut so, sage ich, denn mir scheint, dass Schreibers Eltern damals sehr locker, vielleicht sogar etwas fahrlässig waren.

Aber als Familie etwas Verrücktes machen, das wäre schon was. Und ich beginne nachzudenken, welches Projekt 2018 möglich wäre...

Die besten Kolumnen als Buch: Mein Leben als Paar erhältlichauf der Website von Schreiber und Schneider.