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Begegnung

Wüstenschiffbruch

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09. Juli 2018

Einwandfrei? Dieser Wagen ist es nicht!»

Schneider: Wir sind in Namibia, ein Familientraum, fünf Wochen im Allradfahrzeug mit zwei Dachzelten durch eine der schönsten und einsamsten Landschaften der Welt.

Wie lange dauert die Übergabe?, will ich von John wissen, der uns unseren 44 vorführt. Drei Stunden?

John entblösst blendend weisse Zähne: Nein, nur zwanzig Minuten.

Ich sehe mir das Auto an, vorne eine grosse Delle, der Kühlergrill zerschlagen.

Oh, ja, sorry, sagt John, der Wagen kommt direkt aus Botswana, wir hatten keine Zeit mehr, das zu reparieren.

Ich schlucke.

Auch die Dachzelte scheinen schon einige Jahre auf dem Buckel zu haben. Ich bitte ihn, eines aufzubauen. Während er das hintere aufklappt, filmt Schreiber alles akribisch mit ihrem Handy, was ich vollkommen übertrieben finde.
Und das vordere?, fragt sie.

John ziert sich, der Schweiss tropft von seinem Gesicht wie ein Sommerregen.

Mach ich gleich. Ähm, das ist ein wenig kaputt.

Das Dachzelt?, frage ich.

John nickt, klappt es auf, es hängt in Fetzen herunter.

Mist! Ich habe ein älteres Auto gemietet, weil das viel billiger war. Aber es hiess, es sei trotzdem einwandfrei.

Schreiber dampft.

Das werden verdammt lange 20 Minuten werden.

Auto kann man das kaum noch nennen.»

Schreiber: Wir lernen gerade unser Auto für unser Namibia-Abenteuer kennen, sofern man dieses Teil ein Auto nennen kann. Mein Mann sagt, das sei ein Geländefahrzeug, ein Viermalvier, ein echtes Wüstenschiff. Ich sage, das war mal ein Wüstenschiff und fotografiere mit meinem Handy die Dellen, Beulen, Risse, das durchgerostete Schutzblech. Jeden Quadratzentimeter. Als Beweismaterial.

John von der Autovermietung schwitzt gewaltig, als er Schneider den Allradantrieb erklärt. Mein Mann nickt sehr häufig das macht er jeweils, wenn er keine Ahnung hat, worum es gehen könnte.

Dann zeigt uns John den Kühlschrank, der dringend geputzt werden muss, am Geschirr klebt noch Restessen. Hoffentlich ist wenigstens unsere Bettwäsche sauber! Ich klettere ins zerfetzte Dachzelt, die fleckige Schaumstoffmatratze müffelt gewaltig.

Dass Schneider so einen Schrott gebucht hat! Bevor ich ihm die Meinung sage, greife ich in meine Hosentasche nach meinem Lieblings-Duftöl. Ohne dieses verreise ich nie. Statt die Matratze damit nur zu beträufeln, drehe ich den Verschluss gleich ganz ab und kippe den Duft grösszügig drüber. Er heisst übrigens Sweet Dreams. Klingt hier leider grad wie ein Witz.

Schreiber vs. Schneider live auf der Bühne: Hier finden Sie die Daten.

Die besten Kolumnen als Buch: Mein Leben als Paar erhältlichauf der Website von Schreiber und Schneider.