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Schreiber vs. Schneider

Chefspielchen

26. Mai 2019

Schreiber: Schneider plustert sich auf. Ha! Mein «Herr Alleskönner»! Will mir zu verstehen geben, dass er der Chef ist und ich gefälligst vorwärts machen solle und bitte auch ein bisschen hoppla und bitteschön dallidalli. Vermutlich fragt er sich: Was macht die Frau den ganzen Tag vor dem Computer? Die Töchter sind ja gross, der Hund hat den Garten und bei ihrem Roman ist auch noch kein Ende in Sicht …

Während er also über den Wert von Listen doziert, hacke ich eine dringende Mail rein und streiche wieder einen Punkt auf meiner Liste. Manchmal schreibe ich nachträglich Sachen drauf, die ich bereits erledigt habe – weil sich das so gut anfühlt: Strich und weg!

«Sie ist alles andere als strukturiert.»

 

Davon kriegt Schneider natürlich nicht die Bohne mit. Er macht einen auf wichtig, während sich meine Liste lichtet. Mir käme es nie in den Sinn, ihm Vorhaltungen zu machen, wie er zu arbeiten habe. Jeder hat seinen Stil. Und wenn ich meinen anschaue, dann ist dieser durchaus erfolgreich. Denn in meiner Mailbox macht es pling. Eine Bibliothek bedankt sich, dass ich so schnell die Infos und Fotos für eine Lesung geschickt habe.

Zu seinem neuen Buch, notabene.

Also wenn hier jemand Chef spielen darf, dann wohl ich.


Schneider: Bei uns ist grad totale Kraut- und Rübenzeit. Ganz viele Dinge, die superdringend erledigt werden müssen. Da wir selbst- ständig sind, haben wir keinen Chef, der uns Termine auftischt. Wir müssen das selber tun. Ich sehe Schreibers chaotischen Schreibtisch. Diese Frau ist alles andere als strukturiert. Also gebe ich mir einen Ruck und spiele Chef: «Du, es lohnt sich, aufzuräumen und eine Liste zu machen.»

«Schneider macht einen auf wichtig.»

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Sie nickt.

Dann sage ich: «Und Vorsicht mit Google und Facebook. Da guckt man kurz rein und nullkommaplötzlich hat man wieder eine Viertelstunde oder sogar mehr verloren.» Sie schaut kurz auf, lächelt. Es ist Zeit für meine Hauptbotschaft: «Man braucht einfach sehr viel Selbstdisziplin.»

Sie tippt wieder.

Ist sie sauer? Sie mag es ja gar nicht, wenn ich den Chef markiere.

Nun blickt sie wieder auf und sagt: «Find’ ich echt gut, dass du dir das bewusst machst. Ich kenn dich ja. Und eine Liste kann ich dir nur empfehlen. Schau!»

Sie hält mir einen Zettel vor die Nase mit mindestens zwanzig Stichwörtern von A wie Auftritt in Basel bis Z wie Zahnarzttermin in Zürich. Mindestens die Hälfte davon bereits durchgestrichen, also erledigt.

Dabei hat der Tag erst angefangen.