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Schreiber vs. Schneider

Fragen der Liebe

08. Juli 2019

Schreiber: Aus dem Nichts fragt Schneider: «Glaubst du an die grosse Liebe?»

«Ja klar. Das tue ich. Merkst du doch hoffentlich!»

«Schön», sagt er und schweigt. Seltsam. Er freut sich gar nicht.

Dann fragt er: «Willst du nicht wissen, ob ich das auch tu?»

Ich: «Also gut: Glaubst du an die grosse Liebe?»

«Was Schneider alles wissen will.»

 

Er: «Klar.»

Wusste ichs doch! Ich kapiere aber nicht, was das soll und frage: «Alles in Ordnung?»

Er nickt: «Ja. Aber es ist schwierig, eine Liebe über Jahrzehnte lebendig zu halten, oder?»

Das sehe ich anders: «Quatsch, man muss an das Miteinander glauben und einander immer wieder überraschen.»

Er denkt nach. Nun bin ich doch etwas irritiert und frage: «Willst du mir etwas sagen?»

Statt zu antworten, fragt er entrückt: «Wie definierst du Respekt?»

«Hm. Den anderen mit seinen Schwächen zu akzeptieren und ihn dafür nicht zur Schnecke zu machen.»

Er: «Wie definierst du Macht?»

Ich: «Den anderen wegen seiner Schwächen zur Schnecke zu machen.»

Er: «Und wie beurteilst du die Machtverhältnisse bei uns?»

Was der alles wissen will! Ich denke nach, dann sage ich: «Wer unterlegen ist, fühlt sich machtlos. Und weil ich das nicht bin, sehe ich da kein Problem.»


Schneider: Schreiber hat auf meine Liebesfragen seltsam schroff reagiert. Dabei machen erst Fragen ein Gespräch spannend. Allein ein «Wie fühlst du dich?» öffnet doch Ohr und Herz.

Ich verzichte aber also auf weitere Fragen und erzähle stattdessen vom deutschen Paartherapeuten Hans Jellouschek, der gesagt hat, eine funktionierende Beziehung sei «eine Folge kleiner Scheidungen, die man überwindet und nach denen man sich stets neu suchen und zusammenfinden muss».

Finde ich eine bemerkenswerte Aussage. «Was meinst du denn dazu?», frage ich Schreiber.

«Sie findet die Fragen etwas beunruhigend.»

 

Sie: «Als Trennungskind kann ich auf Scheidungen voll verzichten!» Dann blickt sie mich forschend an und meint: «Ich finde deine Fragen etwas beunruhigend.»

«Glaubst du, dass es viel Arbeit ist, eine Beziehung zu pflegen?», frage ich nun ganz neutral, nicht dass sie sich noch mehr beunruhigt.

«Arbeit klingt anstrengend», antwortet Schreiber, «für mich sind Interesse und Neugier wichtige Stützen.» Dann lächelt sie: «Eine Beziehung zu pflegen ist keine Arbeit, sondern eine Aufgabe. Und in deinem Fall, mein Lieber, eine Lebensaufgabe!»

Was soll diese Antwort? Ich kann mich nicht entsinnen, danach gefragt zu haben.