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Schreiber vs. Schneider

Katerstimmung

19. August 2019

Schreiber: Wir lümmeln alle im Garten rum, und die Ältere, die unseren grauen Kater Momo streichelt, ruft: «Uäh, er hat eine 
Zecke!» Sofort befreien wir ihn vom 
gefährlichsten Tier im Schweizer Wald. Dann krault sie Momo weiter und sagt: «Er sieht etwas alt aus.» 
Ja. Ist er auch. 13 Jahre. 
Ida lässt sich aus der Hängematte fallen, schlurft zu uns und fragt: «Wäre es 
nicht gut, wenn die beiden Kater jüngere Gesellschaft hätten? So wie du und Papa? Ihr habt ja uns.»
Nun wird Schneider hellhörig: «Wie, jüngere Gesellschaft», ruft er vom Liegestuhl her.
Alma, die Ältere, argumentiert: 
«Ist doch so: Kinder halten einen auf Trab und die Alten bleiben dadurch fit. Das wäre für Momo und Caramello doch toll, wenn sie ein Katzenbaby erziehen und ihm ganz viel beibringen könnten.»
Ida nickt und sagt: «Und dann hätten wir alle viel zu lachen und es wäre sooo süss! Ich wünsche mir sooo sehr ein Katzenbaby!»
Schneider und ich starren uns an. Ein Baby? 
«Ach, und wer kümmert sich drum, wenn ihr beide nicht mehr daheim wohnt? So eine Katze kann locker 15 und mehr werden.»
«Na, ihr natürlich. So habt ihr Gesellschaft, wenn wir ausgezogen sind», sagt Alma und Ida ergänzt: «Und ihr bleibt fit!»
Ein Baby? Schneider und ich starren uns an.
Nein, ich will keine Katzen mehr! 
 Mehr von Schreiber und Schneider, Daten von Lesungen: 

Schneider: Unser Hauszoo hat sich im Lauf der Jahre arg verkleinert und besteht nur noch aus unserem Hund Lilla und unseren beiden Katern Caramello und Momo. Drei Generationen Rennmäuse sowie etliche Stabschrecken ruhen standesgemäss unterm Apfelbaum. Und obschon ich unsere zwei Kater liebe, will ich keine Katzen mehr. Denn ich liebe auch die Vögel, die Blaumeisen, die Rotschwänze, die Distelfinken. Und für die ist es, ebenso für Blindschleichen und Eidechsen und Libellen, lebensgefährlich, wenn zwei Löwen durchs Unterholz schleichen. Dabei haben wir extra einen Naturgarten, in dem sie beste Lebensbedingungen vorfinden. 
Das sage ich meinen beiden Töchtern – und aus zahmen Mädels werden wilde Raubkatzen. Sie fauchen, ich würde unsere Kater verachten. Völlig falsch, aber meine Verteidigungsrede will niemand hören.
Als ich abends mit unserem Hund spazieren gehe – das hält fit! – folgen mir Momo und Caramello. Ich schau sie an, 
die beiden älteren Herren, die im Sommer dünn und drahtig und im Winter feist und fellig werden, wie sie um 
meine Beine streichen und schnurren. Sie mögen mich.
«Ich euch auch», sage ich, kraule sie und beschliesse: 
Nachher gibts noch eine Extraportion Futter.