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Schreiber vs. Schneider

Knacks!

15. Juli 2019

Schreiber: Muss draussen die Tomaten giessen, also rein in die Flip-Flops, raus in den Garten und die Kannen füllen. Bin flott unterwegs, ein falscher Tritt in den Kies, zack! Der Fuss knickt, ich falle zu Boden.

Tut saufies weh, mir wird übel, unser Hund kommt angerannt, jault und stupst mich – weil eine Frau, die leidend im Garten rumliegt, eben ein Problem hat.

Aber ausser Lilla scheint das niemand zu bemerken.

An meinem Fuss beult sich etwas, das dick wird wie eine fette Olive. Ich hechle den Schmerz weg.

«Hilft mir mal jemand?»

 

«Hilft mir mal jemand?», rufe ich ins Grün.

Endlich. Schneider schlurft um die Kletterrose, sieht mich, lächelt und sagt: «Na, zu viel Weisswein?»

Soll ich jetzt heulen, bloss damit er merkt, wie höllisch weh es mir tut?

Immerhin, Schneider realisiert den Ernst der Lage, hilft mir hoch, stützt mich, bettet mich aufs Sofa im Wohnzimmer, holt Coldpack, Salbe, Schmerzmittel, setzt Wasser auf für einen Tee und sucht im Internet nach Therapiemethoden.

Genau so habe ich es mir vorgestellt!

Dann setzt er sich zu mir und sagt: «Ist nur eine Kleinigkeit. Vergeht gleich wieder.»

Ach, echt? Ich werde wohl doch noch ein bisschen, weils grad sehr gemütlich ist, auf die Tränendrüse drücken.


Schneider: Schreiber hat das Band am Fuss gedehnt. Das tut weh, ist aber nicht lebensbedrohend.

Doch sie sieht das anders. Sie liegt auf dem Sofa, klappert mit den Zähnen, hechelt, ihre Augen flackern. Und da heisst es immer, Männer seien wehleidig. Meine Töchter zischen, ich solle gefälligst etwas unternehmen. Um vor ihnen nicht als Rabenmann dazustehen, serviere ich meiner leidenden Königin auf dem Sofa Kräutertee.

Dann sehe ich mir ihren Fuss an. Kaum geschwollen. «Muss ich ins Spital?», wimmert sie. Natürlich nicht! Stattdessen erinnere ich mich daran, wie lädiert ich oft vom Fussball nach Hause komme und auf die Zähne beisse, weil ich auf kein Mitgefühl hoffen darf – schliesslich sei ein Mann in meinem Alter selbst schuld, wenn er Fussball spielt, heisst es. Als ich mir vor zwei Monaten das Band am Fuss angerissen hatte, der Fuss höllisch schmerzte, bis in die Zehen dick anschwoll und eine Woche blau war, habe ich geschwiegen, nur leicht gehinkt. Ich war einfach tapfer.

«Das ist ja nicht lebensbedrohend.»

 

«Mama ist sooo tapfer», schnurren meine Töchter und streicheln Schreiber übers Haar. Sie seufzt: «Ach, ihr zwei Süssen.»

Meine Frauenmannschaft: tapfer vereint. Gut, beiss’ ich halt auf die Zähne. Übung habe ich ja.