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Schreiber vs. Schneider

Leerlauf

16. September 2019

Schreiber: Familientisch über Klima, Konsum- und Mobilitätswahn. Mir raucht der Kopf: all diese Krisenherde, grauslig! Da schaltet sich Schneider ein: «Gerade du liebst ja deinen VW-Bus über alles.»

«Ich liebe ihn nicht, ich find ihn toll», stelle ich richtig. «Und dass er Dreck produziert, nervt mich ja auch. Drum versuche ich, möglichst wenig zu fahren.» Da fallen mir die auto- freien Sonntage von früher ein. Ich erzähle unseren Töchtern davon, denn die wissen ja nichts darüber: «Es war so viel Verkehr und Stau in München, aber an diesen Sonntagen waren die Strassen leer. Wir konnten auf der Kreuzung Fangen und Federball spielen, und einmal rollte sogar ein Käfer an ...»

«Ein Käfer?», fragt unsere Jüngere.

«VW-Käfer, das ist ein Auto. Aber es hatte ein Pferd vorne dran gespannt und fuhr nur mit einer PS.»

«PS?», fragt nun die Ältere.

«Pferdestärke», erkläre ich. «Und statt übers Wochenende aufs Land zu fahren, feierten wir mit Nachbarn auf dem Bürgersteig. »

«Bürgersteig?»

«Trottoir», übersetze ich für meinen Nachwuchs, seufze wehmütig und zitiere passend zum Thema meinen Lieblings- münchner Karl Valentin: «Die Zukunft war früher auch besser.»

Schneider: Allein über das Klima zu sprechen rettet noch kein Klima. Doch das scheinen meine drei Frauen zu glauben, denn sie reden sehr oft sehr viel darüber. Was nützt, sind Taten, und würde Schreibers Anregung in die Tat umgesetzt, wäre das grossartig: wieder mal ein paar autofreie Sonntage. Genial.

Ein wenig Verzicht, finde ich, schadet nämlich nie. Ist rein theoretisch auch ein Erziehungsprinzip von mir: Wer einige Male auf Schoggi verzichtet, dem schmeckt sie umso besser, wenn er wieder mal naschen darf. So kann man die Gier überlisten.

Bloss: Wenn das so einfach wäre.

«Veränderung ist verdammt schwierig», erkläre ich, «da nehme ich mich nicht raus.»

Schreiber nickt, natürlich, sie ist auch mehrfache Weltmeisterin im Wollenwürden und dann Dochnichtschaffen: «Ab und zu ein Verbot wäre nicht schlecht. Mir würde das helfen», sagt sie.

Ich bin dazu bereit: «Da wir sonntags sowieso fast nie Auto fahren, verzichten wir auf was anderes.»

Alle gucken gespannt: «Nächsten Sonntag gibts keinen Zucker.»

Schreiber schluckt leer. «Geht nicht. Wir haben Besuch und ich habe Tiramisu angekündigt.» Und fügt kleinlaut an: «Übernächsten Sonntag?»

Ich seufze. Ja. Verzicht ist kein Zuckerschlecken.