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Schreiber vs. Schneider

Schlaflos durch die Nacht

11. März 2019

Schreiber: Nach einem gemütlichen Abend kippen wir beide ins Bett, löschen das Licht, plaudern kurz, flüstern: «Gute Nacht», und verabschieden uns in die Welt des Schlafes.

Ich schliesse die Augen, suche die passende Position. Herrlich, so ein warmes Bett! Dann fällt mir ein, dass diese Woche Weltschlaftag ist und ich was dazu gelesen habe: Man braucht nur 15 Minuten bis zum Einschlafen, 45 Prozent aller Menschen haben Schlafstörungen, Frauen schlafen schlechter, wenn nebendran ein Mann liegt. 

Schneiders Decke raschelt, er dreht sich, das Bett bebt.

«Herrlich, so ein warmes Bett.»

 

Meine Füsse beginnen zu kribbeln, ich muss sie kreisen und strecken, nun raschelt meine Decke. Ich dreh’ mich vorsichtig in eine bessere Lage und lausche: Schneider atmet ruhig. 

Jetzt kitzelt mich was am Rücken, ich kratze mich leise. Schneider schnaubt und dreht sich auf die andere Seite.

Eine Frage schreckt mich auf: Habe ich den Wecker gestellt? Ich dreh mich zurück, kontrolliere den Wecker. Ist gestellt. Da wuchtet sich Schneider hoch, packt nach Decke und Kissen: «Kann nicht schlafen, gehe in die Stube», sagt er und schlurft aus dem Zimmer.
Das war zwar nicht mein Ziel, aber unter diesen Umständen könnte ich es in 15 Minuten schaffen.


Schneider: Schreiber ist ein kleines Kraftwerk. Statt ruhig dazuliegen und ins Reich der Träume zu gleiten, pflügt sie das Bett um.

Dabei war ich sehr, sehr müde und wollte sofort abtauchen. Aber jetzt ist das Zimmer aufgeladen, irgendwie voller kribbelnder Energie.

Ich seufze. Früher konnten wir doch ganz entspannt zusammen einschlafen! Das scheint sich langsam zu verändern. 

Ich zwinge mich in die Entspannung. Vier Mal tief atmen. Klappt nicht. Ich denke an das Sofa in der Stube. 

Kühl, Platz, Ruhe.

Andererseits ist es auch im Bett schön.

«Das reicht, ich hau ab in die Stube.»

 

Auf einmal haut Schreiber auf den Wecker. Das reicht: Ich haue ab ins Wohnzimmer, schiebe die Kissen vom Sofa, lege mich hin: Es klappt wunderbar, weg bin ich.

Doch irgendwann schrecke ich auf und blinzle: Es ist taghell im Wohnzimmer. «Hallo?», frage ich.

Kein Ton in der künstlichen Helle.

Ich stehe auf, gehe zur Tischlampe. Sie ist an eine Zeitschaltuhr gekoppelt. Garantiert eine von Schreibers übertriebenen Massnahmen gegen Einbruch. Für mich bedeutet das aber Unterbruch. Die Uhr zeigt halb drei, ich ziehe den Lampenstecker, lege mich wieder aufs Sofa, wende mich und drehe mich und mir schwant: Vom Einschlafen kann ich heute Nacht nur noch träumen.