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Schreiber vs. Schneider

Spassbremse

24. Juni 2019

Schreiber: Ein wunderschöner Tag liegt vor uns, bestes Wetter und alle Zeit der Welt. Schneider hat unsere erste gemeinsame E-Bike-Tour geplant. Ziel ist eine hübsche Dorfbeiz, in der wir schon lange mal essen wollten. Zuerst radeln wir auf Waldstrassen über die Hügel, plaudern, staunen, riechen die Natur. Wir bewegen uns fort, ohne uns zu verausgaben. Herrlich! Dann fährt Schneider immer öfter weit vor mir, jeder in seinem Tempo halt, auch jetzt auf der schmalen Teerstrasse. Über uns kreist ein Milan und pfeift, weit und breit kein Auto. 

«Man siehts am Fahrstil: Er eiert.»

 

Ich freue mich, dass Schneider Spass hat an meinem Spontangeschenk, er, der kein grosser Velofan ist. Das sieht man auch an seinem Fahrstil. Er eiert. Mit jedem Tritt reisst er den Lenker hin und her. Hat er Schwierigkeiten mit der Balance? Geübt ist er ja nicht sonderlich.

Ich sollte ihm Tipps geben, rufe nach vorne, ob alles in Ordnung sei? Keine Ahnung, ob er mich gehört hat, denn nun geht es bergab, und er tritt kräftig in die Pedale. 

Ich habe keine Chance, ihm zu folgen. Mir wird es zu schnell, ich bremse ab und hoffe, dass wir uns spätestens beim Restaurant wieder treffen werden und ab dann miteinander weiterfahren. Ohne Ausreisser. 


Schneider: War nicht einfach, Picknickdecke, Wasser und Notfallapotheke in unsere Körbe zu stopfen. Schreiber will immer ausgerüstet sein, als wären wir Wochen, nicht Stunden unterwegs. 

Dabei bin ich von uns beiden der mit der Erfahrung. Habe als Jugendlicher die halbe Schweiz auf dem Velo erkundet, von der Aaremündung nach Thun, ins Appenzellerland, nach Lugano und Brig! Seither nutze ich das Velo nur noch als Nahverkehrsmittel, bin eher der Geher. Das E-Bike könnte das aber wieder ändern. Macht viel Spass! Grad jetzt entdecke ich helle Teerflecken im Asphalt. Spannend! Schreiber schreit von weit hinten irgendwas wie: «Du eierst so, alles okay?»

«Ich eiere nicht, ich fahre Slalom.»

 

Ich muss schmunzeln. Ich eiere nicht, ich fahre Slalom. Den Lenker schwenke ich gekonnt nach links, nach rechts, tack, tack, tack, bloss keinen Flecken berühren. 

Dann erreiche ich den höchsten Punkt, die Abfahrt lockt, ich blicke auf den Tacho – das hatte ich noch nie an einem Velo – trete in die Pedale und visiere einen neuen Geschwindigkeitsrekord an.

Als ich kurz danach beim Restaurant eintreffe, sehe ich Schreiber weit oben im Zeitlupentempo abwärts rollen. Meine Spassbremse! Ich glaub, ich sollte öfter allein auf Tour gehen.