X

Beliebte Themen

Treff am Tümpel

06. Mai 2019

Schreiber: Ich muss zugeben, dass unser Garten mehr Schneiders Garten ist. Zudem sage ich oft «Nein» zu seinen Ideen. Eine zweite Feuerstelle? «Nein.» Einen weiteren Sitzplatz unterm Apfelbaum? «Nein.» Ein Biotop neben dem Brunnen? «Nein.»

Meine Neins sind unterdessen zu Jas geworden. Darüber bin ich froh. Denn ich liebe es, unter dem Apfelbaum zu liegen. Es ist auch wunderbar, wenn das Feuer in der Nähe prasselt und würzig duftet.

«Das trübe Wasser gefällt mir gar nicht.»

 

Doch am allerliebsten sitze ich am Wasserloch – so heisst unser Biotop. Ich beobachte meinen Lieblingsmolch, bewundere die Wasserläufer, die elegant übers Wasser flitzen, als wären sie Denise Biellmann. Aber am besten gefällt mir, dass wir vier uns immer wieder am Wasser treffen. Die Mädels kommen aus ihren Zimmern geschlurft, Schneider setzt sich in den Kies, wir gucken, wir schweigen, wir sind einander nah. Wie die Zebras am Wasserloch.

Leider ist das Wasser etwas trüb. Am Rand wuchern Algen. Gefällt mir gar nicht. Ich setze mich auf einen Stein, sammle mit der Hand Algen, Blätter, glitschigen Glibber ein. Schneider zischt in die Stille: «Du murkst soeben hundert Mückenlarven ab!»

Echt? Irgendwie hält sich mein Mitgefühl gerade sehr in Grenzen.

 

Schneider: Ein Wasserloch ist wie eine Feuerstelle, einfach ohne Glut, dafür voller Tiefe und mehr Leben. Ich sehe meine drei Lieblingsmenschen, die alle versonnen und fasziniert in den Teich gucken. In meinen Teich, aber das sage ich jetzt nicht. Es reicht, dass ich es weiss. Allerdings nervt mich Schreiber ein wenig. Zuerst ist sie immer gegen alles, dann mischt sie sich mehr und mehr ein. Hat zum Beispiel einen Solarspringbrunnen gekauft, der zu stark eingestellt war und einen Drittel des Wassers in den Kies sprenkelte. Sie hat Blumentöpfe im Biotop versenkt, damit die Tiere ein nettes Zuhause hätten. Hatten sie aber schon, denn es liegen ja Steine drinnen. Und jetzt, als wir alle so gemütlich ins Wasser gucken, beginnt sie zu putzen. Sie zerrt Algen raus und merkt gar nicht, dass da zartes Leben im hellen Grün zappelt.

«Ein Wasserloch ist kein Wohnzimmer.»

 

«Halt, nicht wegwerfen!», schimpft nun auch unsere jüngere Tochter, «da ist eine Libellenlarve dran!»

Schreiber hält inne, blickt betreten, legt das Algennest behutsam wieder ins Wasser, schubst vorsichtig die Libellenlarve und sagt: «Ich wollte doch nur aufräumen.»

Ich schlucke und erkläre möglichst sanft: «Das ist ein Wasserloch, kein Wohnzimmer!»