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Schreiber vs. Schneider

Zunehmend leichter

25. Februar 2019

Schneider: Noch vor dem Frühstück stelle ich mich im Bad nackt auf die Waage, Schreiber schaut mir frech über die Schultern und kommentiert: «Ich glaube, wir sollten etwas mehr auf unser Gewicht achten.» 

Ich blicke auf die Anzeige. Sie vermeldet erneut ein Rekordgewicht. 

Deshalb habe ich das Wiegegerät in letzter Zeit öfters gemieden. 

«Wir sind ja nun fast gleich schwer …»

 

Man muss sich die Laune nicht vorsätzlich schon frühmorgens versauen.

Heute ist meine Gemütslage aber bestens. Tags zuvor habe ich nämlich gelesen, dass Muskeln schwerer seien als Fett. Das verändert alles. Ich wende mich leichtfüssig Schreiber zu: «Du darfst nicht die nackten Zahlen betrachten.»

«Sondern?»

«Ich bin nicht dicker geworden, sondern muskulöser.»Schreiber lacht: «Das ist ja originell!»

Ich erkläre unbeeindruckt: «Treibe ich nicht viel mehr Sport als früher? Spiele ich nicht wieder Fussball und gehe ich seit Kurzem nicht regelmässig ins Fitnesstraining?»

«Doch!», Schreiber nickt, dann grinst sie breit: «Aber so viel ich weiss, nimmt man ab, wenn man sich häufiger bewegt.»

«Du irrst. Mehr Muskeln machen einen schwerer. Was sich aber verändert, ist das Volumen.»

Wieder grinst sie: «Na gut. Dann sollten wir also etwas mehr auf unsere Volumen achten.»


Schreiber: Mir scheint, Schneider schummelt sich schlanker, als er ist. Wobei: Würde Abnehmen mit etwas Schwindelei funktionieren, hätte ich auch nichts dagegen. Es beunruhigt mich nämlich, dass ich nicht leichter werde, obwohl ich seit über einem Jahr konsequent ins «Pump» gehe: intensives Ganzkörper-Training mit bleischweren Hanteln. Tierisch anstrengend. Doch meinen Körper freuts: Ich habe kaum noch Schmerzen und fühle mich voller Energie. Bloss nehme ich nicht ab, sondern zu. Und zwar an den Oberarmen, die passen kaum noch in meine Blusen.

Ich frage meinen Schummelschneider: «Du, wie war das mit dem Volumen?»

«Davon sind wir noch massiv entfernt!»

 

Er: «Wir sind ja nun fast gleich schwer …»

«Also, davon sind wir noch massiv entfernt!», unterbreche ich ihn. Schneider setzt neu an: «Es geht nicht um Kilos, sondern um Dichte. Muskeln haben eine höhere Dichte als Fett. Wir müssen nur unsere Einstellung ändern: Wir sind fit, nicht fett – ganz egal, wie viel wir wiegen!» Er strahlt: «Ausserdem gefällst du mir in jeder Form!» 

Seine Worte wirken Wunder, ich fühle mich auf einmal federleicht. «Mach mal Platz», sage ich zu Schneider und steige auf die Waage: «Ich will wissen, um wie viel ich wieder muskulöser geworden bin.»