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Der Bauch hat immer recht (1)

22. Juli 2019

Eigentlich wollten mein Mann und ich mit unseren beiden Vierbeinern am frühen Freitagnachmittag nach Lindau am Bodensee aufbrechen, um dort ein verlängertes Wochenende zu verbringen. Aber unsere Pläne wurden durchkreuzt: Statt bei Sonnenschein einen üppigen Eisbecher zu geniessen, trafen wir erst bei Anbruch der Dunkelheit im Hotel ein. Unser Hund Louis litt seit zwei Tagen unter ganz üblen Blähungen, die wir nur ertrugen, weil wir zu Hause permanent für Durchzug sorgten. Und die Vorstellung, mit unserem armen vierbeinigen Stinker ein Hotelzimmer zu teilen, erweckte keine Vorfreude. Ein Besuch beim Tierarzt musste also sein.

Dessen Assistentin, der ich wenig später am Telefon unser Problem schilderte, sagte allerdings nur, dass alte Hunde durchaus unter etwas «stärkeren Blähungen» leiden können. Ich sollte es mit Fencheltee versuchen. Fencheltee?! Und wie bitte sollte ich diesen meinem Hundesenior schmackhaft machen? Selbst wenn ich ihn mit Wurststückchen garnieren würde, Louis würde ihn verschmähen. Was ich durchaus nachfühlen kann. Weil Louis’ Bauch noch immer keine Ruhe gab, sagte mir mein Bauch, dass etwas geschehen musste. Und sogar Millie, die sonst nicht von der Seite ihres «Bruders» weicht, schienen die üblen Geruchsschwaden empfindlich zu stören. Sie distanzierte sich sichtlich von ihm.

Inzwischen war es Mittag geworden. Natürlich hatten «unser» Tierarzt wie auch sein Stellvertreter jetzt keine Zeit mehr. Beim dritten Anruf hatte ich Glück, vielleicht auch, weil ich der Praxisassistentin Louis’ Beschwerden so anschaulich schilderte, dass sie keine weiteren Einzelheiten hören wollte. Glücklich, einen Termin bekommen zu haben, antwortete ich auf ihre Frage «Wann können Sie denn bei uns sein?» übermotiviert mit: «In einer halben Stunde.» Was ich vergessen hatte, war, dass der Weg zur Praxis quer durch die Stadt führte. Wir fuhren also mehr als eine Stunde bis zur Praxis auf dem Land, und nochmals so lange zurück – natürlich mit offenen Fenstern. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, wäre allein schon aus Rücksicht auf die Mitreisenden nicht infrage gekommen.

Der Besuch war erfolgreich – mein Bauchgefühl hatte mich nicht getäuscht. Die Tierärztin stellte fest, dass Louis an einem üblen Parasiten erkrankt war und gab uns Medikamente mit. Gegen 19 Uhr starteten wir endlich Richtung Bodensee. Louis schien es glücklicherweise schon etwas besser zu gehen, wir mussten die Autofenster nur noch gelegentlich öffnen.

Zwei Stunden später sassen wir bei einem späten Abendessen auf der Hotelterrasse. Die Hunde hatten wir im Zimmer gelassen. Richtig entspannt war ich allerdings nicht. Immer wieder musste ich an die möglichen Nebenwirkungen der Medikamente denken, die mir die Ärztin aufgezählt hatte. Und bei «Dünnpfiff» hilft dann auch kein Lüften mehr. Abgelenkt wurde ich nur, weil hinter uns eine Gruppe älterer Herren zusammensass. Es wurde gelacht und gescherzt, und die Wortfetzen in den verschiedensten Sprachen machten mich neugierig. Es ging um Reisen, ferne Länder und um wissenschaftliche Erkenntnisse. Gerne hätte ich noch weiter gelauscht, aber es war Zeit, ins Zimmer zurückzugehen. Auf dem Weg dorthin schickte ich ein Stossgebet gen Himmel, dass uns dort keine böse Überraschung erwarten würde. 

Fortsetzung folgt.