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Silvia Aeschbach

Ferienfreuden, Ferienleiden (1)

05. August 2019

Auf die ersten gemeinsamen Ferien mit einer neuen Liebe freuen sich die meisten von uns, auch wenn dies oft mit Nervosität verbunden ist. Und mit Fragen wie: Werden wir eine gute Zeit zusammen verbringen? Werde ich Eigenschaften an ihm entdecken, die mich nerven? Oder: Werde ich ihn vielleicht enttäuschen, wenn ich während der ersten Velotour im heissen Süden kollabiere, weil ich doch nicht so sportlich bin, wie ich mich auf dem Dating-Portal beschrieben habe? Es ist sicher keine schlechte Idee, quasi als Hauptprobe ein Weekend im Vorfeld der Ferien zu verbringen. So lange sollte es auch zu schaffen sein, allfällige «Mödeli» unter Kontrolle zu halten.

In dieser Situation war eine Freundin, als sie vor dem ersten gemeinsamen Weekend mit ihrem neuen Freund stand. Sie sah dem mit gemischten Gefühlen entgegen, da sie unter einem Reizdarm litt, der sich bei Aufregung oder Stress bemerkbar machte. Vor lauter Vorsicht ass sie im Hotel wie ein Vögelchen und verschmähte die meisten Köstlichkeiten des abendlichen Gourmet-Menüs. Offiziell sagte sie, dass sie auf Diät sei, weil sie in den Ferien eine gute Figur machen wolle.

Ihr Freund meinte charmant, sie habe dies doch nicht nötig. Nur zu gern ass er auch noch ihren Teller leer. Ironie des Schicksals: Als das Paar wenig später die ersten Ferien am Roten Meer verbrachte, erkrankten beide gleichzeitig an einem Magen-Darm-Virus, der zur Folge hatte, dass die beiden Frischverliebten während dreier Tage und Nächte das Zimmer nicht verlassen konnten, und dies nicht aus jenen Gründen, die man sich in einer solchen Situation erhoffen würde. Verschärft wurde die Situation, weil sie das Badezimmer wegen des hinterhältigen Virus manchmal gleichzeitig benutzen mussten. Die romantische Vorstellung, dass man für eine neue Liebe sein Inneres nach aussen kehren möchte, bekam dadurch eine neue Bedeutung. Die so arg Gebeutelten bestanden diesen Härtetest. Sie konnten letztes Jahr den 15. Hochzeitstag feiern.

Natürlich überkommen nicht nur Frauen vor ersten gemeinsamen Ferien gewisse Selbstzweifel. Ich kann mich noch gut erinnern, wie mich mein heutiger Mann vor vielen Jahren zu einem Kurzurlaub in den Süden mit seinem alten Zwölfzylinder-Daimler abholte. Stolz präsentierte er mir den auf Hochglanz polierten Wagen, und bis zum Gotthard verlief unsere Fahrt auch problemlos. Doch im Tunnel begann der Motor plötzlich zu stottern. Mein Zukünftiger schaffte es gerade noch, das Gefährt in eine Pannenbucht zu lenken. Nach einigen Versuchen schaffte er es glücklicherweise, den Motor wieder zu starten. Und so fuhren wir, ich mit angehaltenem Atem, weiter. Ich war noch nie so froh, als ich das Licht am Ende des Tunnels erblickte. Damals wusste Hanspeter noch nichts von meiner Klaustrophobie. Für ein Outing schien mir unsere Beziehung noch zu frisch.

Das Weekend verlief wunderbar, ausser dem kleinen Detail, dass der Daimler auf der Heimfahrt bei 35 Grad auf der Autobahn durch die Po-Ebene zum zweiten Mal den Geist aufgab. Als ich Hanspeter mit hochrotem Kopf und betrübter Mine da sitzen sah, war es offensichtlich, wie sehr er unter dieser Situation litt. Er hatte mir ja einen ganz besonderen Ausflug bieten wollen, und jetzt hatte nicht nur das Auto, sondern, aus seiner Sicht, auch er versagt. Und da verliebte ich mich gerade noch ein bisschen mehr in ihn. Heute lachen wir über diesen etwas schwierigen Start in unsere Beziehung.

Dass ein solcher ein Garant für eine künftige Beziehung sein kann, lesen Sie hier nächstes Mal.