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Silvia Aeschbach

Hypochonder lassen grüssen

07. Januar 2019

Vielleicht kennen Sie diesen TV-Spot, in dem ein erkälteter Mann im Bett liegt und mit ersterbender Stimme seine Frau bittet: «Kannst du meine Mutter anrufen?» Worauf ihm seine entnervte Liebste ein Medikament zuwirft, frei nach dem Motto: «Da, nimm, du Jammerlappen!»

Der Mann leidet sicht- und hörbar, während sich die Frau im Krankheitsfall nicht nur zur Arbeit schleppt, sondern auch den Haushalt be- und die Kinder versorgt.

Dieses Klischee wird immer wieder gerne auf allen Kanälen verbreitet. Und ehrlich gesagt, ganz so klischiert ist es auch nicht, wenn ich mich in meinem Freundes- und Familienkreis umschaue. Als ich mich für mein Buch «Älterwerden für Anfänger» mit dem Männerarzt Christian Sigg über dieses Thema unterhielt, bestätigte dieser, dass ein Mann bei leichteren Beschwerden gerne mal den Märtyrer spielt, um so ein bisschen umsorgt zu werden. Er sagte aber auch, dass genau der gleiche Mann ernsthaftere Symptome gerne verdrängt. Und dies unglücklicherweise oft so lange, bis 
es dann wirklich zu einem Zusammenbruch oder Schlimmerem kommt. Denn im Gegensatz zu Frauen, die durch verschiedene hormonelle Veränderungen immer wieder dazu gezwungen werden, sich mit ihrem Körper auseinanderzusetzen, haben viele Männer keinen wirklichen Bezug zu ihrem. Wichtig ist einfach, dass dieser funktioniert. Die meisten Frauen können dank ihrer Sensibilität viel realistischer einschätzen, wie krank oder gesund sie wirklich sind.

Doch zurück zum sterbenden Schwan … ähm … Mann. In meiner Beziehung läuft es anders. Da gehöre ich zur eher flügellahmen Fraktion, die beim leisesten Anzeichen eines entzündeten Halses gleich auf eine eitrige Angina schliesst, nachdem ich mich im Internet «schlau» gemacht habe – und man kann übrigens an einer verschleppten Halsentzündung schlimmstenfalls tatsächlich sterben! Mein Mann dagegen geht auch fiebrig tapfer zur Arbeit. Und bereitet mir am Abend – falls es uns gemeinsam erwischt hat – auch noch ein Süppchen zu. 

Manche Menschen, die mich kennen, würden mich als «etwas wehleidig» bezeichnen. Ganz falsch! Ich bin einfach sensibel, und ich habe eine dünne Haut. Dies führt dazu, dass ich eben nicht nur das Schöne, sondern auch das Schwere oder Schmerzhafte doppelt so stark empfinde wie andere. Zudem verfüge ich über eine ziemlich ausgeprägte Fantasie. Schon der Schulpsychologe bestätigte meinen Eltern vor vielen Jahrzehnten, dass er noch nie ein Kind abgeklärt habe, dass über eine so intensive Vorstellungskraft verfüge wie ich. Als Autorin hat mich diese schon zu manchem Höhenflug geführt, aber wenn ich bei einem intensiven Kribbeln im linken grossen Zeh bereit bin, mich mental auf meinen Abschied von dieser Welt vorzubereiten, fühle ich mich in dieser Hinsicht eher als Bruchpilotin.

Ich glaube, ich muss jetzt ein Päuschen einlegen. Irgendwie zuckt mein Auge äusserst beunruhigend. Höchste Zeit, dieser Sache nachzugehen. Ich halte Sie selbstverständlich auf dem Laufenden.