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Silvia Aeschbach

Mein Verhältnis mit Macklemore

09. September 2019

Woran ich merke, dass ich älter werde? Es sind nicht nur die untrüglichen äusserlichen Zeichen, die mich manchmal aus der inneren Ruhe bringen. Auch die innere Balance, die ich mir durch die Verarbeitung gewisser Ereignisse zusammengebastelt habe, ist nicht immer so stabil, wie ich es mir wünschte. Aber ich habe gelernt, gewisse Bemerkungen, die sich unter anderem auf mein Alter beziehen, gelassen zu nehmen. Oder darüber zu lachen, wie bei der Frage meiner Freundin Jasna (38): «Hörst du auch andere Musik als Klassik?» Bei meinem Musikgeschmack wäre die richtige Frage gewesen: «Gibt es klassische Musik, die du magst?»

Bleiben wir also beim Thema Musik und Älterwerden. Als ich vor ein paar Wochen erfuhr, dass der Rapper Macklemore ans «Zürich Openair» kommt, habe ich sofort zwei Tickets gekauft. Ich mag den etwas verrückten Typen und seine Songs gern, weil beide vor Ironie strotzen. Ich hatte auch keinen Zweifel, dass mich jemand aus meinem Freundeskreis liebend gerne ans Konzert begleiten würde. Selbst wenn dieses erst nach 22 Uhr begann. Da es ja an einem Samstagabend stattfinden würde, könnte man seine Gute-Nacht-Toilette, die Yogaübung für einen guten Schlaf und den Verdauungstee gut mal um zwei oder drei Stunden nach hinten schieben. Oder nicht?

Falsch gedacht. Hier einige der Antworten, die ich auf meine Einladung hörte: «Du, dieser Mäckelmur, wer ist das?» – «Das hätte ich also nicht gedacht, dass du in deinem Alter noch solche Musik hörst!» – «Ich habs eher so mit Chill-out-Musik, Rap macht mich nervös.» – «Ich hasse Open Airs!» – «Ich würde echt gern mitkommen. Aber meine Mutter hat Geburtstag/meine Freundin wird 40/meine Katze hat Bauchweh.» Und so weiter. Der Tiefschlag aber war diese Bemerkung: «Findest du es nicht irgendwie rassistisch, dass deine beiden Lieblingsrapper (Anmerkung: Macklemore und Eminem) weiss sind?» Okay, sorry, das war mir noch nie aufgefallen, aber zu meiner Verteidigung kann ich anfügen, dass mir auch Tupac Shakur und The Notorious B.I.G. immer gut gefallen haben. Und ja, ich weiss, dass beide bereits tot sind.

Das Verhältnis zwischen Macklemore und mir war bereits vor diesem Ereignis etwas getrübt. Vor zwei Jahren schenk- te mir mein Mann nämlich zum Geburtstag ein Ticket für den Macklemore-Auftritt am «Moon and Stars»-Festival in Locarno. Ich wäre allein ans Konzert gegangen, da mein Mann – «nicht meine Musik» – mich zwar ins Tessin, aber nicht zu Macklemore begleitet hätte. Als wir am Gotthard im Stau standen, stellte ich entsetzt fest, dass ich mein Ticket zu Hause vergessen hatte. Also umkehren. Obwohl ich die Wohnung auf den Kopf stellte, fand ich mein Ticket allerdings nicht mehr. (Viele Monate später habe ich es zufällig im Geheimfach meines Sekretärs gefunden.) Natürlich reisten wird dann noch gen Süden. Schliesslich hatte unser Hotelzimmer am See ein kleines Vermögen gekostet. Statt Macklemore auf der Piazza in Locarno gab es dann Pizza auf der Piazza in Ascona. Ich hatte verständlicherweise wenig Appetit.

PS 1: Weil mich diese Geschichte immer noch ein bisschen mitnimmt, schaue ich mir jetzt mein Lieblingsvideo von Macklemore und Skylar Grey auf YouTube an: «Glorious». Vielleicht mögen Sie es ja auch.

PS 2: Die Zürich-Tickets habe ich zwei 18-jährigen Frauen geschenkt. Sie haben sich sehr gefreut.