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Silvia Aeschbach

Mein Weg zur Dancing Queen (1)

19. August 2019


Ich bin keine wirklich gute Tänzerin. Also, wenn das Prädikat «gut» bedeutet, wie wenig, oder in meinem Fall eben: wie häufig ich in meinem Leben meinen Tanzpartnern auf die Füsse getreten bin. Meinen ersten Tanzkurs, den ich auf Drängen meiner Arbeitskollegin Elke mit reifen 25 Jahren besuchte, endete jedenfalls ziemlich desaströs. Eigentlich hätte ich schon nach wenigen Minuten erkennen sollen, dass dieses Unterfangen dem Untergang geweiht war. Denn während Elke sichtlich in ihrem Element war und sich bereits bei den ersten Klängen der Musik von der sonst leicht gelangweilten Sekretärin in eine Dancing Queen verwandelte, vollzog sich meine Metamorphose gegenteilig: Die sonst durchaus agile und selbstbewusste Jungjournalistin wurde auf dem Tanzparkett zum Trampeltier. Jedenfalls fühlte ich mich so, während ich aus den Augenwinkeln neidisch meine Kollegin beobachtete, die leichtfüssig und mit wehenden Haaren einen Disco-Fox tanzte. Warum hat sie mich überhaupt in diesen Kurs geschleppt?, fragte ich mich zunehmend genervt. Die Antwort würde ich bald bekommen: Weil es billiger war, diesen Tanzkurs für Fortgeschrittene als «Viererpack» zu buchen als nur zu zweit. 

Mein Tanzpartner, den ich erst an diesem Abend kennengelernt hatte, war ebenfalls zu bedauern. Scheinbar war auch er von seinem Kollegen zu diesem Kurs genötigt worden. Dies mit dem Versprechen, er würde mit einer «sexy Blondine» auf Tuchfühlung gehen können. In Realität war diese nicht nur einen Kopf grösser als er, sondern auch einige Jahre älter. Nicht unbedingt die Traumfrau eines 18-Jährigen. Aber Ben war wohlerzogen und nett, und nur seine schweissnassen Hände verrieten mir, wie gestresst er sein musste. 

Den ersten Kursabend überlebte ich einigermassen, dies auch, weil Ben Humor hatte und wir später über unsere «guten» Kollegen ablästern konnten. Aber eine Woche später – same place, same time – half auch dies nicht mehr. Während des Wiener Walzers wurde mir zuerst schwindlig und dann ziemlich übel. Dies als direkte Folge der zwei Martinis, die ich im Vorfeld gekippt hatte in der Hoffnung, dass mich der Alkohol etwas locker machen würde. Dies tat er auch, allerdings auf eine für mich nicht vorteilhafte Weise. Denn nicht nur in meinem Kopf drehte sich alles, auch meine Beine fühlten sich seltsam kraft- und schwerelos an. Wir müssen ein lustiges Bild abgegeben haben: der junge Mann, der krampfhaft versuchte, seine gross gewachsene, (leicht) alkoholisierte Tanzpartnerin übers Parkett zu schleppen, die ihrerseits krampfhaft bei jeder Drehung versuchte, den aufsteigenden Mageninhalt unter Kontrolle zu halten. Und beim Walzer gibt es bekanntlich einige davon.

Irgendwann war glücklicherweise auch dieser Tanz vorbei, und ich schwöre: Ich hätte trotzdem nicht aufgegeben, wenn der schmierige Tanzlehrer nicht süffisant kommentiert hätte: «In jedem Kurs gibt es leider eine junge Dame mit zwei linken Füssen.» Natürlich wusste ich, wer gemeint war, denn ich spürte ein Dutzend Augenpaare auf mich gerichtet, die mich teils mitleidig, teils spöttisch musterten. Wutentbrannt verliess ich den Raum und liess die Anwesenden betreten zurück. Elke, die heute eine meiner besten Freundinnen ist, musste mir einige Päckchen Pralinés schenken, bis ich ihr verzieh, dass sie mich zu diesem Abenteuer genötigt hatte.

Diese Episode hielt mich allerdings nicht davon ab, einen Mann zu finden, mit dem ich mein Leben und die Tanzfläche teilen kann. Die Suche nach dem Dancing King ging weiter.