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Interview

«Unsere Strategie ist solide»

Joos Sutter blickt auf ein ereignisreiches Jahr zurück und skizziert die Herausforderungen des Jahres 2020. Der Coop-Chef ist stolz auf die Innovationskraft seines Unternehmens.

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Heiner H. Schmitt
27. Dezember 2019

Mit Mut zur Innovation führt Joos Sutter erfolgreich die Geschicke von Coop.

Familienmensch und Sportler

Joos Sutter Vorsitzender der Geschäftsleitung

Familienmensch und Sportler
Joos Sutter (55) stammt aus dem Kanton Graubünden. Er liebt die Berge, mag aber auch die Dynamik der Städte. Seit 2011 ist er Vorsitzender der Geschäftsleitung der Coop-Gruppe. Seine Laufbahn bei Coop begann er 1996 bei der Import Parfumerie. Joos Sutter ist verheiratet und Vater von drei Söhnen (18, 20 und 23 Jahre). Seine Freizeit widmet er der Familie, dem Sport und dem Fliegenfischen. Ausserdem fährt er Motorrad.

 

Joos Sutter, wie feiern Sie Weihnachten?

Eher traditionell zu Hause mit meiner Frau und unseren drei Söhnen. Meine Mutter und meine Schwiegermutter, die beide noch sehr fit sind, sind ebenfalls mit von der Partie. Es hat Kerzen und einen Weihnachtsbaum. Und wir singen, auch wenn das nicht gerade meine Stärke ist! (Lacht.)

Und wie sieht es mit den Geschenken aus?

Improvisiert und wie immer in letzter Minute. (Lacht.)

Welche Bilanz ziehen Sie über das zu Ende gehende Jahr für die Coop-Gruppe?

Es war ein gutes Jahr, trotz des nach wie vor herausfordernden Umfelds mit einem Euro, der gegenüber dem Franken weiter an Wert verlor, und somit einem starken Preisdruck. Unsere Strategie ist solide, mit leistungsstarken, innovativen und modernen Geschäften mit breiten Sortimenten sowie internationalem Grosshandel, Produktion und einem stark wachsenden Onlinehandel.

Gehen für Sie die Ladengeschäfte und der Onlinehandel Hand in Hand?

Ja, und die Verbindung zwischen den beiden ist von entscheidender Bedeutung. Die Ladengeschäfte sind unsere Stärke. Hier verfügen wir über die nötige Dichte, die guten Standorte, die Erfahrung und den Kontakt zu den Kunden. Online ist eine Investition in die Zukunft. Der Onlinehandel ist unerlässlich. Wir müssen dort ein passendes Sortiment anbieten. Nicht unbedingt möglichst viele Artikel, aber die richtigen! Und es ist sehr wichtig, die Kompetenzen im Onlinehandel, aber auch im Kundenbeziehungsmanagement im eigenen Unternehmen zu haben und die Mitarbeitenden in die neuen Prozesse zu integrieren. Da haben wir noch einiges Potenzial.

Worauf sind Sie 2019 besonders stolz?

Dass sich seit Jahren immer mehr Kunden für Coop entscheiden – und auf unsere Mitarbeitenden, die sich sehr stark mit dem Unternehmen identifizieren und viele Innovationen vorantreiben. Das ist extrem wichtig. Und das haben wir in allen Bereichen bewiesen. Ob auf Filialebene mit der Eröffnung des ersten Fooby-Concept-Stores in Lausanne, auf Produktebene etwa mit der Lancierung von Happy Cola oder online mit dem Ausbau von microspot.ch, aber auch in der Logistik mit automatisierten Prozessen. Im Bereich Nachhaltigkeit wurden wir vom WWF erneut für unser vorbildliches Engagement zur Verbesserung der Umweltstandards im Schweizer Detailhandel ausgezeichnet. Ich bin auch stolz auf unser Engagement für die Gesellschaft mit dem Erfolg des ersten Tages der guten Tat im Mai, der unsere Erwartungen übertroffen hat. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Coop die Bevölkerung für einen guten Zweck mobilisieren kann.

«Online ist eine Investition in die Zukunft.»

Joos Sutter

Heute muss man innovativ, aber auch immer schneller sein. Eine riesige Herausforderung.

Ich war kürzlich in China. Die Chinesen haben eine vom Staat vorgegebene, aber auch äusserst dynamische Industriepolitik. Es ist eindrücklich, wie rasch alles geht, wie schnell sich alles entwickelt und was alles möglich ist. Wir haben Unternehmen besucht, die sehr erfolgreich sind, obwohl sie erst seit wenigen Jahren bestehen! In Europa und in der Schweiz braucht alles mehr Zeit und ist oftmals komplizierter. Ich denke, dass wir bei Coop für unsere Grösse schnell sind. Innovation ist auch eine Haltung. Es ist wichtig, die Innovation selbst zu schaffen, im Unternehmen, wie wir es tun, mit einer möglichst flachen Hier- archie, mit Realismus und indem wir uns auf Produkte und Themen konzentrieren, die unsere Kunden interessieren. Aber auch indem man den Mitarbeitenden den nötigen Freiraum ge- währt.

Mögen Sie die Festtage?

Ja, ich mag diese Atmosphäre. Man hat Zeit für sich, für die Familie und die Freunde.

Also Zeit zum Lesen oder für Musik?

Eher Fliegenfischen, aber jetzt ist nicht die beste Jahreszeit dafür! (Lacht.)

Und was machen Sie an Silvester?

Ich bin nicht der Typ, der riesige Neujahrspartys feiert. Ich lade gerne ein paar Freunde ein. Normalerweise sind wir gut zehn Leute, genug für ein gutes Fest.

Und was steht auf dem Menü?

Dieses Jahr gibt es Pizza aus dem Holz- ofen.

Machen Sie die Pizza selbst?

Ja, das ist eines der wenigen Gerichte, die ich beherrsche.

Was wünschen Sie sich fürs neue Jahr?

Gesundheit. Das ist das Wichtigste.

Joos Sutter in seinem neuen Büro am Coop-Hauptsitz in Basel. Post von Kunden liest er stets mit grossem Interesse.

Und für Coop?

Dass wir unsere gute Energie und Kreativität bewahren. Dass wir ein attraktiver Arbeitgeber bleiben und unsere Kundschaft immer wieder überraschen.

Womit zum Beispiel?

Das werden Sie sehen, es soll eine Überraschung werden. Es wird Überraschungen geben, das ist sicher!

Das Klima wird auch 2020 auf der Agenda stehen. Auch bei Coop?

Das Klima beschäftigt uns schon lange. Wir haben dieses Thema mit unserer Vision CO2-neutral bis 2023 schon sehr früh aufgenommen. Unsere Strategie ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Im Strassentransport durch die Förderung des Schienengüterverkehrs mit Rail- care, als Pioniere mit Wasserstoffantrieb bei Lastwagen und PWs sowie im Immobilienbereich mit unseren Gebäuden, die dem Minergie-Standard entsprechen. Und wir werden die Plastikverpackungen weiter reduzieren.

Für die Kunden sind natürlich die Preise sehr wichtig.

Auch für uns! Und wir werden unsere Offensive wie schon 2019 fortsetzen. Als Genossenschaft haben wir die Verpflichtung, in die Preise zu investieren.

Reicht dies gegen die Hard-Discounter?

Ich bin sehr zuversichtlich. Wir haben unser Prix-Garantie-Sortiment stark ausgebaut und werden dies auch wei- terhin tun. Unsere Stärke ist, dass unser Angebot in den Läden absolut alle Bedürfnisse abdeckt, alle aktuellen Trends, von biologisch bis vegan, von Fine Food bis Free From und so fort. Aber auch wer etwas zum besten Preis sucht, findet das bei uns.

Man sagt, Sie seien Frühaufsteher.

Ja, unter der Woche klingelt mein Wecker um 5 Uhr.

Das ist wirklich früh! Machen Sie am 1. Januar eine Ausnahme?

Ganz bestimmt!

Joos Sutter, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.