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Interview

«Die Versorgung ist gewährleistet»

Seit der Bundesrat die ausserordentliche Lage ausgerufen hat, ist in der Schweiz nichts mehr, wie es einmal war. Coop unterstützt die Schweizer Bevölkerung und stellt die Versorgung mit Lebensmitteln sicher. Joos Sutter, Vorsitzender der Geschäftsleitung, beantwortet die wichtigsten Fragen zur Krise.

FOTOS
Heiner H. Schmitt
23. März 2020

Leitet den Krisenstab bei Coop persönlich: Joos Sutter, Vorsitzender der Geschäftsleitung, am Hauptsitz in Basel.

Joos Sutter

Vorsitzender der Geschäftsleitung

Der gebürtige Bündner und Wahlberner Joos Sutter (54) ist seit 2011 Vorsitzender der Geschäftsleitung der Coop-Gruppe in Basel. Nach dem Studium an der Hochschule St. Gallen (HSG) trat er 1996 in das Unternehmen ein. Joos Sutter ist verheiratet und Vater dreier Söhne. In seiner Freizeit treibt er Sport, fährt Motorrad oder geht zum Fliegenfischen.

Joos Sutter, wie haben Sie die letzten Tage und Wochen erlebt?

Es ist eine intensive und anspruchsvolle Zeit. Die Situation verändert sich laufend, und obwohl sich abzeichnete, was auf uns zukommt, ist es eindrücklich, wie schnell und radikal sich unser Leben und der Alltag verändern.

Was beeindruckte Sie besonders?

Wie flexibel und unbürokratisch die Mitarbeitenden auf diese ausserordentliche Situation reagieren. Alle stehen zusammen und packen gemeinsam an: die Leute in der Logistik, im Verkauf, in der Verwaltung. Das ist toll und stimmt mich zuversichtlich, dass wir diese Krise gemeinsam gut meistern werden.

Was waren und sind die grössten Herausforderungen in der aktuellen Situation?

Menschlich ist es die grosse Verantwortung für die Mitarbeitenden und die Kundinnen und Kunden. Das ist nicht immer einfach, insbesondere wenn man über 700 Filialen im Non Food von einem Tag auf den anderen schliessen und alles, von den Geschäften über die Logistik bis in die Zentralen, herunterfahren muss. Auf der anderen Seite gibt es im Bereich der Lebensmittel eine enorme Nachfrage, welche das System an die Grenzen bringt. Die ganze Kette, von der Beschaffung über die Kommissionierung bis zur Filiale, ist da extrem gefordert.

Für wie lange können Sie die Belieferung mit Grundnahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs garantieren?

Sehr lange, da sind wir sehr gut aufgestellt. Das Limitierende ist eher der Durchsatz in der Logistik: Die Ware ist zwar an Lager, aber wir können sie nicht immer genug schnell in genügender Menge in die Filialen bringen. Irgendwann sind die Kapazitätsgrenzen einfach erschöpft. Aber nochmals: Wir haben genug Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs für eine sehr lange Zeit. Bei einzelnen Produkten wird es in der Lieferkette zu Unterbrüchen kommen, aber die Gesamtversorgung wird kein Problem werden.

Wird es Preisanpassungen geben?

Nein. Wir konzentrieren uns voll auf die Belieferung und werden ganz sicher keinen Profit aus der aktuellen Situation schlagen.

Wie sieht es mit den Online-Geschäften von Microspot.ch, Interdiscount, Fust und coop@home aus? Funktionieren die noch?

Die funktionieren alle, wir sind gut vorbereitet und die Post liefert nach wie vor aus.

Machen Ihnen die Hamsterkäufe zu schaffen?

Ängste sind etwas Diffuses. Ich werfe niemandem etwas vor, der sich plötzlich Sorgen macht. Die grosse Nachfrage nach gewissen Artikeln haben uns zwar ab und zu an Kapazitätsgrenzen gebracht, aber unser gesamtes System war nie gefährdet.

Waren Sie auf eine solche Situation vorbereitet?

Wir haben einen umfassenden Pandemieplan, der auch sehr gut greift. Toll ist aber, dass ich auch in dieser schwierigen Zeit voll auf unsere Mitarbeitenden zählen kann, die jetzt schnell und unkompliziert handeln. Auch da sind wir sehr gut aufgestellt.

Wie organisieren Sie sich konkret?

Wir haben einen Krisenstab, der sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag aktiv ist. Wichtig ist, dass diese Taskforce klein ist und wir dort alle wichtigen Fragen durchdiskutieren können. Dadurch sind wir viel schneller. Jede Entscheidung muss jetzt ganz klar und deutlich sein, deshalb heisst unser Krisenstab auch «Chiaro», also Klarheit.

Coop muss durch die temporäre Schliessung der Warenhäuser und anderer Betriebe mit Umsatzeinbussen rechnen. Wird es zu Entlassungen oder Liquiditätsengpässen kommen?

Nein. Wir sind ein sicherer Arbeitgeber, der sich auch in schwierigen Situationen um seine Mitarbeitenden kümmert.

Was können die Kundinnen und Kunden für eine reibungslose Versorgung beitragen?

Es braucht jetzt eine gewisse Ruhe, damit wir wieder zur «Normalität» zurückkehren können. Das heisst Ruhe bewahren, für unsere Kundinnen und Kunden, für uns alle. Wir müssen schauen, dass wir in dieser ausserordentlichen Situation wieder ein Stück Normalität herstellen können. Dann wird sich das gut einspielen, davon bin ich überzeugt.

Was wünschen Sie den Kundinnen und Mitarbeitenden in dieser Zeit?

Ich wünsche allen die Zuversicht, dass dies eine Phase ist, die wir zusammen gut durchstehen werden. Und natürlich wünsche ich allen Kundinnen und Kunden, den Mitarbeitenden und ihren Angehörigen gute Gesundheit.

Joos Sutter, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.